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Die stille Verschiebung am Ausbildungsmarkt

Trotz unbesetzter Ausbildungsplätze und hoher Abbruchquoten liegt das Problem oft nicht im Recruiting, sondern viel früher: in der Berufsorientierung. Wie KI-Systeme gerade verändern, wie junge Menschen zu Berufen finden, und warum Unternehmen künftig nicht mehr für Keywords, sondern für Fragen relevant sein müssen, zeigt Felix von Zittwitz von Ausbildung.de.
Die stille Verschiebung am Ausbildungsmarkt
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Hauptthema des Artikels: Berufsorientierung im Zeitalter von KI und ihre Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt.

Wichtige Punkte:

  • Die Berufsorientierung verändert sich grundlegend, da junge Menschen zunehmend KI-Systeme nutzen, um passende Berufe und Unternehmen zu finden. Dadurch wird der Entscheidungsprozess individueller und stärker auf persönliche Fragen ausgerichtet.
  • Fehlende Passung zwischen Talenten und Ausbildungsberufen ist eine zentrale Ursache für unbesetzte Ausbildungsplätze und hohe Ausbildungsabbrüche. Eine bessere Berufsorientierung kann diesem Problem gezielt entgegenwirken.
  • Für Unternehmen werden relevante Antworten wichtiger als reine Reichweite. Statt nur auf Keywords und Stellenanzeigen zu setzen, sollten sie konkrete Fragen zu Arbeitsalltag, Entwicklungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven beantworten.
  • KI kann die Berufsorientierung verbessern, birgt aber auch Risiken. Bekannte Berufe und große Arbeitgeber werden häufiger empfohlen, während weniger sichtbare Ausbildungsberufe an Aufmerksamkeit verlieren könnten.
  • Content entwickelt sich zum entscheidenden Matching-Faktor. Unternehmen, die authentische und praxisnahe Informationen bereitstellen, erhöhen die Chance auf bessere Passung zwischen Bewerbern und Ausbildungsangeboten.

Fazit: Die Zukunft der Berufsorientierung wird durch KI geprägt. Unternehmen, die früh relevante Inhalte liefern und auf echte Passung statt reine Sichtbarkeit setzen, verbessern ihre Chancen im Wettbewerb um Nachwuchskräfte und stärken langfristig ihre Fachkräftesicherung.

Unternehmen investieren seit Jahren in Reichweite, Recruiting und Arbeitgebermarketing. Trotzdem bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt und Ausbildungsabbrüche hoch. Vielleicht liegt das Problem nicht am Recruiting, sondern deutlich früher: in der Berufsorientierung. Denn junge Menschen finden heute anders zu Berufen und Unternehmen als noch vor wenigen Jahren. KI-Systeme verändern gerade, wie Passung entsteht und damit auch die Rolle von Content, Suchlogiken und digitalen Plattformen.

Der Ausbildungsmarkt hat ein seltsames Problem. Unternehmen sagen, sie finden keine Nachwuchskräfte. Zehntausende Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Gleichzeitig brechen jedes Jahr rund ein Viertel der Azubis ihre Ausbildungen ab. Zudem sagen viele junge Menschen, dass sie gar nicht genau wissen, welcher Beruf eigentlich wirklich zu ihnen passt. Diese verschiedenen Symptome deuten alle auf dasselbe Problem hin: fehlende Passung.

Das ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern zunehmend ein wirtschaftliches. Bis 2030 verlassen rund 6,5 Millionen Babyboomer den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig bleiben Jahr für Jahr zehntausende Ausbildungsplätze unbesetzt. Die wirtschaftlichen Folgen reichen von Produktivitätsverlusten bis zu Geschäftsaufgaben.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Die Frage, wie junge Menschen zu Berufen und Unternehmen finden, ist längst keine Randerscheinung des Recruitings mehr. Sie wird zu einer strategischen Frage für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und des Standorts Deutschland. Vielleicht haben wir zu lange gedacht, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt ließen sich vor allem durch Reichweite beheben. Mehr Kampagnen, mehr Sichtbarkeit für ausgeschriebene Stellen, mehr Traffic auf Ausschreibungen, mehr Bewerbungen. Reichweite allein jedoch löst noch keine gute Entscheidung aus. Die entscheidende Frage lautet eher: Wie entsteht heute eigentlich Matching zwischen jungen Menschen, Berufen und Unternehmen? 

Die Passungskrise in Zahlen': Vier-Säulen-Statistik über Probleme am Arbeitsmarkt wie unbesetzte Ausbildungsplätze, eine Abbrecherquote von ~25 % und den demografischen Wandel.
Grafik: Vier Zahlen zeigen das strukturelle Ausbildungsproblem: Zehntausende Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, etwa 25% der Azubis brechen ab, 6,5 Millionen Babyboomer verlassen bis 2030 den Arbeitsmarkt, und viele Jugendliche wissen nicht, welcher Beruf zu ihnen passt. Das eigentliche Problem ist nicht Reichweite, sondern Passung. Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Berufsorientierung wird hyperindividualisiert

Was sich gerade verändert, ist weniger das Recruiting selbst als der Moment davor. Früher begann Berufsorientierung oft relativ klassisch: Gespräche mit Eltern, Schule, dem Berufsinformationszentrum. Später dann Google oder Jobboards. Heute startet Orientierung immer häufiger mit einer offenen Frage an ein KI-System. Junge Menschen fragen ChatGPT und Co. beispielsweise „Was passt zu mir?“ oder  „Wo hat man später einen sicheren Job?“ Das sind keine klassischen Suchanfragen. Man könnte es vielmehr als sehr persönliche Orientierungsdialoge einstufen.

Und genau dadurch verändert sich die Logik des Matchings zwischen suchenden jungen Menschen und Unternehmen. Denn KI liefert nicht einfach nur eine Liste an Suchergebnissen. Sie strukturiert Optionen vor. Sie priorisiert, vereinfacht, sortiert und übersetzt diffuse Interessen in konkrete Vorschläge. Damit entsteht eine neue Form von Berufsorientierung: deutlich individueller, dialogischer und situativer, als es eine klassische Suche bisher gewesen ist.

Warum das mehr ist als ein neuer Kanal

Unternehmen (in diesem Falle die Bereiche Recruiting bzw. Marketing) betrachten KI jedoch  oft wie den nächsten Traffic-Kanal. Also ähnlich wie früher Social Media oder SEO. Ich glaube, das greift zu kurz. Die Veränderung liegt tiefer: Der Einstieg in Berufsorientierung verschiebt sich von der Suche hin zum Gespräch. Das mag zunächst banal klingen, verändert aber doch vieles. 

Die klassische Suchlogik funktioniert über Keywords. Menschen müssen ungefähr wissen, wonach sie suchen. Genau das ist bei Berufsorientierung häufig nicht der Fall. Gerade junge Menschen starten oft mit Unsicherheit, vagen Interessen oder nur mit Ausschlusskriterien. Die wenigsten Jugendlichen suchen nach „Ausbildung zum Industriemechaniker in NRW“. Sie starten deutlich früher im Entscheidungsprozess. Sie fragen sich, ob ihnen ein Bürojob liegt, ob ein Beruf zukunftssicher ist oder ob Studium überhaupt der richtige Weg ist. Hinzu kommen Erwartungshaltungen und nicht selten gesellschaftliche Doktrinen. Und genau dort funktionieren KI-Systeme plötzlich erstaunlich gut als Übersetzer von individueller Unsicherheit. Aus Suchanfragen werden dann Gespräche. 

Von Keyword zu Frage': Zeigt den Shift in der Berufsorientierung von der klassischen Keyword-Suche (Muss wissen, was man sucht) zum KI-Dialog (Übersetzung diffuser Interessen in konkrete Vorschläge).
Grafik: Berufsorientierung verschiebt sich von der klassischen Keyword-Suche, die bereits Wissen voraussetzt, zum KI-Dialog, der mit vager Unsicherheit startet und diffuse Interessen in konkrete Vorschläge übersetzt. Die wichtigste Frage lautet künftig nicht nur „Für welche Keywords werden wir gefunden?“, sondern auch „Für welche Fragen werden wir relevant?“. Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Das verändert die gesamte Discovery-Phase. Nicht nur im Ausbildungsmarkt, sondern überall dort, wo Menschen komplexe Entscheidungen treffen. Für Unternehmen hat das eine unmittelbare Konsequenz: Die wichtigste Frage lautet künftig nicht mehr nur „Für welche Keywords werden wir gefunden?“, sondern auch „Für welche Fragen werden wir relevant?“. Wer ausschließlich für Suchbegriffe optimiert, optimiert möglicherweise an den eigentlichen Bedürfnissen vorbei. Wer dagegen die Fragen versteht, die Menschen beschäftigen, wird auch in dialogischen Systemen sichtbar bleiben. Gerade deshalb erleben wir aktuell eine Verschiebung: weg von Keywords, hin zu Kontext, Bedeutung und Intention. 

Das Spannende daran: Wenn junge Menschen über solche Dialoge zu Unternehmen oder Ausbildungsstellen kommen, sind sie häufig deutlich orientierter. Zumindest beobachten wir das auf Ausbildung.de.

Die Revolution passiert langsamer als gedacht

Ehrlicherweise ist der Traffic über LLMs aktuell noch kleiner, als wir dies vor einem Jahr erwartet hätten. Die große Revolution ist bislang ausgeblieben. KI hat den Ausbildungsmarkt noch nicht komplett umgekrempelt. Vielleicht war die Erwartung teilweise auch zu Hype-getrieben. Was wir gerade sehen, fühlt sich weniger nach Kometeneinschlag an, eher nach Evolution.

Doch es sind genau solche Veränderungen, die oft von Akteuren im Markt unterschätzt werden. Denn obwohl der Anteil von angehenden Azubis, die sich vor allem mit Hilfe von KI über potenzielle Jobs informieren, noch vergleichsweise klein ist, sehen wir bereits qualitative Unterschiede: Die Gespräche werden konkreter, Orientierung wird individueller und Entscheidungen wirken bewusster. 

Warum KI Gewinner und Verlierer erzeugen kann

KI-Systeme arbeiten auf Basis von Wahrscheinlichkeiten. Sie greifen bevorzugt auf Informationen zurück, die häufig vorkommen, gut dokumentiert sind und in großen Datenmengen präsent sind. Das klingt logisch. Führt aber zu einem interessanten Nebeneffekt: Sichtbares wird noch sichtbarer.

Bekannte Berufe werden häufiger vorgeschlagen. Große Arbeitgeber tauchen häufiger auf. Etablierte Karrierewege erscheinen wahrscheinlicher als unbekannte Alternativen.

Gerade im Ausbildungsmarkt ist das relevant. Viele Ausbildungsberufe kämpfen seit Jahren um Aufmerksamkeit. Berufe wie Verkäufer:in, Industriekaufmann / Industriekauffrau oder Pflegefachkraft sind gesellschaftlich präsent. Andere Berufsbilder tauchen deutlich seltener auf, obwohl sie attraktive Perspektiven bieten und händeringend Nachwuchs suchen.

Wenn Orientierung zunehmend über KI-Systeme erfolgt, stellt sich deshalb eine neue Frage: Wie sorgen wir dafür, dass Vielfalt sichtbar bleibt?

Aus Sicht von Marktplätzen wie Ausbildung.de wird genau das zu einer zentralen Aufgabe. Gute Orientierung bedeutet nicht, den wahrscheinlichsten Beruf vorzuschlagen. Gute Orientierung bedeutet, passende Optionen sichtbar zu machen. Auch dann, wenn sie nicht offensichtlich sind. Wer nur verstärkt, was ohnehin dominant ist, reduziert Vielfalt.

Und gerade im Ausbildungsmarkt wäre das ein Problem. Denn viele Unternehmen suchen Sichtbarkeit für Berufe, die junge Menschen oft gar nicht auf dem Radar haben.

Passung ist kein Recruiting-Thema mehr

Junge Menschen stehen heute vor mehreren hundert Ausbildungsberufen, tausenden Unternehmen und einer kaum überschaubaren Menge an Informationen. Gleichzeitig zeigt der azubi.report, eine repräsentative Befragung von Ausbildung.de, seit Jahren, dass vielen die Orientierung schwerfällt. Sie wissen häufig nicht, welche Berufe es überhaupt gibt, wie ihr Alltag aussehen würde oder welche Optionen wirklich zu ihren Interessen passen. Genau deshalb wird Orientierung zu einer immer wichtigeren Infrastrukturaufgabe des Arbeitsmarktes.

Denn Passung entsteht nicht zufällig. Sie entsteht dort, wo Informationen verständlich werden. Wo Möglichkeiten sichtbar werden. Und wo Menschen das Gefühl bekommen, eine Entscheidung bewusst treffen zu können.

Das ist gesellschaftlich relevant. Und wirtschaftlich. Jede unbesetzte Stelle, jeder Ausbildungsabbruch und jede Fehlentscheidung erhöht die Kosten auf beiden Seiten.

Deshalb wird Berufsorientierung künftig weniger als vorgelagerte Marketingmaßnahme verstanden werden und stärker als Teil der Fachkräftesicherung selbst.

Was wir mit „Abby“ lernen wollen

Aus diesen Gründen beschäftigen wir uns bei Ausbildung.de intensiv mit KI-gestützter Berufsorientierung und haben mit „Abby“ eine eigene KI für Berufsorientierung entwickelt. Interessant ist dabei weniger die Technologie selbst, sondern das Verhalten der Nutzer:innen: Junge Menschen fragen selten direkt nach Berufsbezeichnungen. Sie fragen nach Lebensrealität.

Nicht Berufsbezeichnungen. Lebensrealität.': Visualisiert anhand von Sprechblasen die echten Fragen junger Menschen zur Berufswahl, wie Gehalt, Alltagsstress, Arbeitsplatzsicherheit und Fehlentscheidungen.
Grafik: Echte Fragen aus Gesprächen mit Abby, der KI-Berufsorientierung von Ausbildung.de, zeigen: Junge Menschen fragen nicht nach Berufsbezeichnungen, sondern nach Lebensrealität – Arbeitsalltag, Stress, Sicherheit, Verdienst und Angst vor Fehlentscheidungen. Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

„Wie sieht der Arbeitsalltag aus?“
„Ist das stressig?“
„Kann ich davon leben?“
„Was, wenn ich mich falsch entscheide?“
„Wie sicher ist der Beruf?“

Viele Probleme, die später sichtbar werden – Abbrüche, Frustration, Fehlentscheidungen – entstehen vermutlich deutlich früher: nämlich dort, wo junge Menschen versuchen, aus tausenden Möglichkeiten eine Entscheidung fürs eigene Leben abzuleiten. KI kann dabei helfen. KI kann aber auch verstärken, was ohnehin schon sichtbar ist.

Deshalb geht es aus meiner Sicht gerade nicht darum, möglichst schnell irgendeinen KI-Case zu bauen. Sondern darum zu verstehen, wie sich Orientierung verändert und welche Rolle Plattformen, Unternehmen und Inhalte künftig darin spielen.

Content wird zum Matching-Faktor

Für Unternehmen entsteht daraus eine spannende Verschiebung. Früher ging es im Ausbildungsmarketing oft stark um Aufmerksamkeit. Heute wird wichtiger, ob Content tatsächlich anschlussfähig gestaltet ist: für Menschen und für KI-Systeme. Abstrakte Arbeitgeberclaims helfen dabei wenig. Entscheidend werden konkrete Informationen, entlang der Lebensrealitäten. Denn genau solche Informationen greifen KI-Systeme auf, wenn sie Orientierung strukturieren. Vielleicht verändert sich dadurch gerade auch die Rolle von Content: weg von Reichweite und hin zu besserer Passung.

Und das wäre eigentlich eine ziemlich gute Entwicklung.

Was Unternehmen jetzt daraus lernen können

Noch ist die KI-getriebene Berufsorientierung kein dominanter Kanal. Aber sie verändert bereits die Logik, nach der junge Menschen Berufe entdecken und Entscheidungen treffen.

Für Unternehmen ergeben sich daraus drei konkrete Aufgaben:

1. Fragen wichtiger nehmen als Keywords.
Junge Menschen suchen nicht nach Stellenanzeigen. Sie suchen Antworten auf Unsicherheit. Wer diese Fragen nicht beantwortet, wird künftig schwerer relevant sein – unabhängig davon, ob die Orientierung über Google, ChatGPT oder eine spezialisierte Plattform stattfindet.

2. Berufe konkreter beschreiben
Viele Arbeitgeber sprechen über Kultur, Werte oder Benefits. Für Berufsorientierung ist oft etwas anderes entscheidend: Wie sieht der Alltag aus? Welche Aufgaben warten konkret? Was lerne ich im ersten Jahr? Wo liegen Herausforderungen? Je konkreter dieses Bild wird, desto höher wird die Chance auf echte Passung.

3. Sichtbarkeit nicht mit Reichweite verwechseln
Mehr Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch bessere Entscheidungen. Entscheidend ist, ob die richtigen Menschen erreicht werden und mit realistischen Erwartungen starten. Die eigentliche Währung der Zukunft ist Passung.

Drei Aufgaben für Unternehmen': Drei-Säulen-Modell für modernes HR-Marketing, das den Wechsel von Keywords zu Fragen, von Claims zu Konkretheit und von Reichweite zu Passung fordert.
Grafik: Drei Verschiebungen für Unternehmen: von Keywords zu Fragen, von Claims zu Konkretheit, von Reichweite zu Passung. Junge Menschen suchen nicht nach Stellenanzeigen, sondern Antworten auf Unsicherheit – mehr Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch bessere Entscheidungen. Die eigentliche Währung der Zukunft ist Passung, nicht Reichweite. Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Fazit

Die spannende Frage lautet nicht, ob KI die Berufsorientierung verändert. Das tut sie bereits. Die spannendere Frage ist, welche Folgen daraus entstehen. Wenn KI lediglich verstärkt, was ohnehin sichtbar ist, drohen neue Verzerrungen. Wenn sie jedoch dabei hilft, Orientierung individueller, verständlicher und zugänglicher zu machen, kann sie ein echter Fortschritt sein. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Die Qualität von Matching entscheidet sich immer früher. Nicht erst auf der Karriereseite. Nicht erst im Bewerbungsgespräch. Sondern in dem Moment, in dem junge Menschen beginnen, Fragen über ihre Zukunft zu stellen. Wer dort relevante Antworten liefert, gewinnt mehr als Reichweite. Er gewinnt Passung.

FAQ

Wie verändert KI die Berufsorientierung junger Menschen?

Berufsorientierung verschiebt sich von der klassischen Suche zum Gespräch – statt nach konkreten Ausbildungsberufen zu suchen, fragen junge Menschen KI-Systeme offen „Was passt zu mir?“ und erhalten dialogisch strukturierte, individuellere Vorschläge statt einer reinen Ergebnisliste.

Warum können KI-Systeme die Vielfalt von Ausbildungsberufen einschränken?

Weil KI bevorzugt auf häufig vorkommende, gut dokumentierte Informationen zurückgreift, werden bekannte Berufe wie Verkäufer:in noch sichtbarer, während attraktive, aber weniger präsente Berufsbilder seltener vorgeschlagen werden – Sichtbares wird noch sichtbarer.

Was sollten Unternehmen bei der Berufsorientierung jetzt konkret anders machen?

Fragen wichtiger nehmen als Keywords, Berufsalltag statt abstrakter Arbeitgeberclaims konkret beschreiben und Sichtbarkeit nicht mit Reichweite verwechseln – denn die Qualität des Matchings entscheidet sich bereits in dem Moment, in dem junge Menschen erste Fragen über ihre Zukunft stellen.

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