HelloDesign im Interview: Praxiswissen statt Theorie – für Creative Professionals und Founder
Agentur oder Akademie? Fabrice Pöhlmann hat sich bewusst gegen diese Entscheidung gewehrt. Mit HelloDesign vereint er beides unter einem Dach: Auf der einen Seite entwickelt sein Team Marken und digitale Produkte für Start-ups, auf der anderen Seite gibt die Akademie genau dieses Praxiswissen an Kreative weiter. Der Grund für diese Kombination ist simpel – das klassische Agenturmodell ist volatiles Projektgeschäft, die Akademie sorgt für Stabilität und liefert gleichzeitig echte Fallbeispiele aus der täglichen Arbeit.
Im Interview mit der AFS-Akademie erzählt Fabrice, wie aus einer Freelancer-Karriere ein Unternehmen mit drei Marken wurde, warum Marketing im Kreativbereich so schwierig ist und weshalb er den Fokus in Zukunft noch stärker auf die Akademie legen will.

Hauptfragen zum Unternehmen & der Gründung
In den folgenden Fragen werfen wir einen detaillierten Blick auf die Gründungsgeschichte, die Entwicklung des Startups und die strategischen Entscheidungen dahinter.
Die Gründer berichten dabei offen über Herausforderungen, Erkenntnisse und Meilensteine ihres unternehmerischen Weges.
Von der Freelancer-Idee zur Vision: Die Gründung von HelloDesign und der Anspruch, Kreativität neu zu fördern
Wie bist du auf die Idee gekommen, HelloDesign zu gründen, und welches Problem wolltest du mit eurer Kombination aus Agentur und Akademie ursprünglich lösen?
Ich habe lange als Freelancer gearbeitet. Irgendwann hatte ich nicht mehr das Gefühl, an etwas Größerem zu arbeiten. Da ich schon während des Studiums gründen wollte, war das für mich der richtige Schritt. Natürlich braucht man auch etwas Glück und die richtigen Co-Founder. Zufällig habe ich David und Christian kennengelernt, die zu diesem Zeitpunkt bereits HelloAgile gegründet hatten. Gemeinsam haben wir uns gefragt, wie wir Design und Agilität verbinden können. Das Ergebnis war die HelloNew GmbH & Co. KG. HelloNew ist unser Dach, darunter befinden sich HelloAgile, HelloDesign und HeyAI. Mit HelloDesign möchten wir vor allem ein Problem lösen: In Deutschland gibt es nur wenige hochwertige Weiterbildungsangebote für Kreative-Köpfe. Es gibt viel englischsprachigen Content, aber wenig im deutschen Markt. Außerdem glauben wir, dass in jedem Menschen ein Kreativer schlummert. Mit unseren Weiterbildungen möchten wir dieses Potenzial fördern.
Was HelloDesign macht: Marken entwickeln und Wissen weitergeben
Wie erklärst du jemandem, der euch noch nicht kennt, in zwei, drei Sätzen, was HelloDesign genau macht – von der digitalen Produkt- und Markenentwicklung bis zur Weiterbildung?
Das ist leider gar nicht so einfach. Oft sind unsere Agenturkunden bereits von der Beschreibung unserer Leistungen überfordert. Dass wir zusätzlich noch eine Akademie betreiben, macht es nicht einfacher, da es sich hier um eine andere Zielgruppe handelt. Aus diesem und weiteren Gründen wollen wir uns künftig stärker auf die Akademie fokussieren. Einfach gesagt: In der HelloDesign Agency entwickeln wir Marken und digitale Produkte für unsere Kunden. In der Akademie geben wir unser Wissen rund um diese Leistungen weiter.
Warum Agentur und Akademie bewusst zusammengehören
Warum hast du dich entschieden, Agenturarbeit und Akademie unter einem Dach zu vereinen, statt diese Bereiche getrennt aufzubauen?
Meiner Meinung nach ist das Agenturgeschäftsmodell kein besonders Gutes. Egal, wie man es dreht und wendet, es bleibt ein volatiles Projektgeschäft. Eine Akademie sorgt dagegen für stabileren Umsatz. Außerdem bietet sie den Vorteil, echte „War Stories“ zu sammeln, die wir unseren Kund:innen weitergeben können. Bei HelloDesign ist uns praktisches Wissen deutlich wichtiger als reine Theorie.
Mit welchen Startups wir am liebsten zusammenarbeiten
Welche Art von Startups unterstützt ihr besonders häufig – in welcher Phase und in welchen Branchen seid ihr aktuell am meisten unterwegs?
Wir lieben die Zusammenarbeit mit Early-Stage-Start-ups und Start-ups in der Series A oder B. In der frühen Phase kann man das Unternehmen noch aktiv mitgestalten. Man ist nah an den Gründer:innen und entwickelt gemeinsam die Richtung. Bei Start-ups mit einem funktionierenden Geschäftsmodell sind die Herausforderungen andere. Mit einem Rebranding hat man zum Beispiel die Möglichkeit, ein Unternehmen noch einmal richtig anzuschieben. Zu sehen, wie sich KPIs verbessern und das Unternehmen wächst, ist ein großartiges Gefühl. Grundsätzlich haben wir mit HelloDesign keinen starken Branchenfokus. In den vergangenen Jahren haben wir jedoch viel im Healthcare- und FinTech-Bereich gearbeitet. Der Vorteil: Mit entsprechender Fachexpertise versteht man schneller, was die Kund:innen wirklich brauchen.
Ganzheitliche Designprojekte – von Marke bis Produktstrategie
Was sind typische Projekte, die ihr als Agentur begleitet – geht es eher um komplette digitale Markenauftritte, UX/UI-Design oder konkrete Produkt-Launches?
Wir begleiten unsere Kunden oft sehr ganzheitlich. Marke und User Experience sind Disziplinen, die bis in jedes Detail eines Unternehmens hineinwirken. Zu Beginn ist dieses Verständnis bei vielen Kunden noch nicht vorhanden, und wir werden für einzelne Aufgaben angefragt. Zum Beispiel für die Verbesserung des User Interfaces einer App. Schnell merken unsere Kunden jedoch, dass wir Design deutlich umfassender betrachten. Am Ende kann es sogar sein, dass wir den oder die CMO auf Coaching-Ebene begleiten, um das gesamte Team weiterzuentwickeln.

Von Behavioural Design zur Lernplattform für Kreative
Wie ist eure Akademie entstanden, und welche Lücke im Markt wolltet ihr mit praxisnahen Weiterbildungen schließen?
Die Akademie ist ursprünglich aus einem sehr speziellen Thema entstanden. Wir haben uns jahrelang auf Behavioural Design fokussiert. Eine Methode, die Behavioural Science mit Design Thinking verbindet. Inzwischen erweitern wir unser Portfolio Schritt für Schritt um KI-Themen. Unsere Vision geht jedoch weiter: Wir möchten eine Plattform schaffen, auf der Kreative neue Fähigkeiten lernen können. Das soll sich nicht auf einen bestimmten Bereich wie User Interface beschränken. Kreativität hat viele Facetten. Eine zentrale Plattform, auf der man unabhängig von der eigenen kreativen Disziplin etwas lernen kann, gibt es bisher noch nicht.
Die größte Herausforderung: Sichtbarkeit und Marketing im Kreativbereich
Was war rückblickend die größte Herausforderung in der Gründungsphase von HelloDesign – eher Kundengewinnung, Positionierung oder der Aufbau des passenden Teams?
Das schwierigste Thema ist für uns bis heute das Marketing. Kreative Themen werden selten gezielt bei Google gesucht. Viele Begriffe sind diffus oder nicht klar definiert. Klassisches Pull-Marketing funktioniert daher nur eingeschränkt. Viele potenzielle Kund:innen müssen zunächst verstehen, welche Angebote es überhaupt gibt. Das führt dazu, dass wir stärker auf Push-Marketing setzen. Dazu gehören Anzeigen auf Meta oder organischer Content – und das ist leider relativ teuer.
Was HelloDesign einzigartig macht: Praxiswissen trifft Trainingskompetenz
Was unterscheidet HelloDesign aus deiner Sicht am stärksten von klassischen Design- oder Digitalagenturen und reinen Weiterbildungsanbietern?
Ich bin davon überzeugt, dass wir auf einzigartige Weise fachliches Wissen mit praxisnahen Trainings verbinden können. Viele Kreative sind Expert:innen auf ihrem Gebiet, tun sich jedoch schwer damit, Gruppen zu moderieren und Wissen verständlich zu vermitteln.
Die Zukunft von HelloDesign: Fokus auf Akademie und kreative Exzellenz
Welche Vision hast du für HelloDesign in den nächsten drei bis fünf Jahren – mehr Akademie, mehr Agentur oder ein noch engeres Zusammenspiel beider Bereiche?
Wie bereits erwähnt, liegt unser Fokus in den nächsten Jahren klar auf der Akademie. Wir wollen mehr Kreative zusammenbringen. Gerade in Zeiten von KI ist Kreativität meiner Meinung nach ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Der entscheidende Moment: Wenn das Team die Vision lebt
Gibt es einen Moment oder ein Projekt, bei dem dir klar wurde: „Genau deswegen hat sich die Gründung von HelloDesign gelohnt“?
Ehrlich gesagt gibt es kein einzelnes Projekt. Es ist das Team. Am Ende gründet man ein Unternehmen entweder allein oder mit Co-Foundern. Richtig groß und beeindruckend wird es jedoch erst, wenn man Menschen von der eigenen Vision überzeugt und sie gemeinsam den Weg des Unternehmens mitgehen.
Fragen zu SEO/Online Marketing & Tools
Online-Marketing bei HelloDesign: Push-Kampagnen und organischer Content im Zusammenspiel
Welche Rolle spielt Online Marketing aktuell bei der Kundengewinnung für HelloDesign – eher organische Sichtbarkeit, Social Media oder gezielte Kampagnen?
Online-Marketing war für uns schon immer wichtig. Vor allem Meta ist für uns ein zentraler Kanal, da unsere Angebote häufig über Push-Marketing beworben werden müssen. Gleichzeitig produzieren wir seit jeher organischen Content in Form von YouTube-Videos und Blogbeiträgen.
Suchmaschinenpositionierung: Empfehlungen statt klassische SEO-Strategien
Wie geht ihr bei der Positionierung von HelloDesign in Suchmaschinen vor, damit potenzielle Gründer:innen euch als Digitalberatung und Akademie finden?
Hier bin ich ganz ehrlich: Online-Marketing hat für die Agency noch nie wirklich funktioniert. Das Agenturgeschäft ist ein reines Empfehlungsgeschäft.

Unsere wichtigsten Tools: Von Figma bis KI-gestützten Plattformen
Welche digitalen Tools und Plattformen nutzt ihr am häufigsten in Projekten mit Startups – etwa für Kollaboration, Prototyping oder Marketing-Automatisierung?
Die Liste an Tools, die wir täglich benutzen, ist für das Interview wahrscheinlich zu lang. Ich würde sagen, die Folgenden sind unsere fünf Must-haves: Figma, Miro, Slack, Webflow und Loom. Mittlerweile kommen aber noch einige KI-Tools dazu: Lovabel, Midjourney und n8n.
Praxisnahes Lernen: Agenturerfahrungen fließen direkt in die Akademie ein
Fließt euer Wissen aus echten Agenturprojekten auch in eure Inhalte zu Online Marketing und digitalen Strategien in der Akademie ein, und wenn ja, wie konkret?
Auf jeden Fall. Das macht unsere Akademie so stark. Konkret nutzen wir häufig Kundenprojekte, um Prinzipien und Systeme in unseren Trainings zu erklären. Dabei schützen wir selbstverständlich die Daten unserer Kunden und geben keine internen Informationen weiter.
Aktuelle Trends: Menschlichkeit im digitalen Branding und Marketing
Welche Trends im Bereich digitales Branding, Produktentwicklung und Online Marketing beobachtest du aktuell, auf die sich Startups unbedingt einstellen sollten?
Ich habe vor Kurzem einen Vortrag zum Thema Start-up-Branding gehalten. Der Titel lautete: Build Something Human. In einer Welt, in der alles künstlicher wird, ist es meiner Meinung nach eine valide Strategie, sich so menschlich wie möglich zu zeigen. Das gilt sowohl für Gründer:innen als auch für die Unternehmen selbst.
Persönliche Fragen an die Gründer
Vom Masterstudium zur Selbstständigkeit: Der Weg zu HelloDesign
Was hast du beruflich gemacht, bevor du HelloDesign gegründet hast, und welcher Schritt war für dich der wichtigste auf dem Weg in die Selbstständigkeit?
Ich habe zuerst meinen Master (Media & Design Management) gemacht und bin dann direkt in die Selbständigkeit gekommen. Zuerst war ich Freelancer und dann kam direkt HelloDesign. Ich war also noch nie irgendwo angestellt.
Design-Generalist mit Teampower: Wie sich Skills bei HelloDesign ergänzen
Welche Fähigkeiten bringst du selbst eher aus der Design-, Strategie- oder Produktwelt mit, und wie ergänzt dich dein Team?
Da ich eine klassische Ausbildung im Kommunikationsdesign habe und lange als Generalist im Designbereich gearbeitet habe, befinden sich in meinem Werkzeugkoffer im Grunde alle Fähigkeiten, die ein Designer haben kann – von Branding bis Fotografie. Diesen generalistischen Ansatz wollte ich auch im HelloDesign-Team verankern. Bei uns bringen alle viele unterschiedliche Fähigkeiten mit und haben zusätzlich ein Spezialgebiet.
Kreativität oder Wissensvermittlung: Beides reizt gleichermaßen
Was reizt dich persönlich mehr: die kreative Arbeit an digitalen Produkten und Marken oder das Vermitteln von Wissen in der Akademie?
Das ist leider schwer zu sagen und stresst mich auch immer ein wenig. Je nach Tagesform das eine oder andere.
Ein typischer Arbeitstag: Zwischen Agentur, Akademie und Unternehmertum ein bunter Mix
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir zwischen Agenturgeschäft, Akademie und unternehmerischen Aufgaben aus?
Ehrlich gesagt ist mein Kalender ein ziemlich wilder Cocktail. Es gibt Tage, an denen ich alles gleichzeitig mache, und Tage, an denen ich mich voll auf eine unserer Säulen konzentriere. Fokusarbeit liegt mir zwar mehr, aber meine Rolle lässt das derzeit nur selten zu.

Drei entscheidende Eigenschaften für Gründer:innen: Leidenschaft, Neugierde und Resilienz
Welche drei Eigenschaften sollten Gründer:innen deiner Meinung nach mitbringen, um in der digitalen Produkt- und Markenwelt erfolgreich zu sein?
Leidenschaft, Neugierde, Resilienz. Ohne diese Dinge wird es wirklich schwer.
Schnellfragen zur Gründerpersönlichkeit
Wolltest du schon immer dein eigenes Unternehmen gründen?
Auf jeden Fall.
Siehst du dich eher als kreativen Kopf als als Zahlenmensch?
Kreativer Kopf.
Triffst du Entscheidungen lieber schnell und pragmatisch als lang und detailliert durchdacht?
Lang, detailliert, durchdacht.
Kannst du im Urlaub wirklich komplett abschalten?
Leider nein. Unternehmertum ist Segen und Fluch.
Würdest du heute wieder den Weg in die Selbstständigkeit wählen?
Ich kann mir ein Leben ohne die Selbstständigkeit nicht vorstellen. Trotz aller Kopfschmerzen - auf jeden Fall.
Schnellfragen zum Online Marketing und SEO
Nutzt ihr aktiv SEO-Maßnahmen, um mit HelloDesign besser gefunden zu werden?
Yes. On-Site-Optimierung, Videos und Blogartikel.
Spielt Content-Marketing (z. B. Blog, Newsletter oder Social Media) eine zentrale Rolle in eurer Sichtbarkeitsstrategie?
Auf jeden Fall. Grade organischer Content zu Nerd-Design-Themen.
Setzt ihr bezahlte Anzeigen (z. B. Google Ads oder Social Ads) ein, um eure Reichweite zu erhöhen?
Sowohl als auch. Mehr Meta als Google.
Verwendest du spezielle Tools, um die Performance eurer Website und Kampagnen regelmäßig zu messen?
Wir haben mit dem Google Looker Studio uns ein eigenes Dashboard gebaut. Ebenfalls nutzen wir Hotjar.
Testet ihr neue digitale Marketingtrends zuerst an HelloDesign, bevor ihr sie in Kundenprojekten einsetzt?
Die Strategien sind im Grunde sehr ähnlich. Sie müssen jedoch immer im jeweiligen Markt getestet werden. Wir können unser Marketing nicht mit dem eines FinTech-Start-ups vergleichen.
HelloDesign: Agentur und Akademie mit klarer Mission
HelloDesign steht an einem interessanten Punkt: Die Akademie soll wachsen, KI-Themen kommen ins Portfolio, und die Vision einer zentralen Lernplattform für Kreative aller Disziplinen nimmt Form an. Gleichzeitig bleibt die Agenturarbeit mit Start-ups das Fundament, das für Praxisnähe und echte Fallbeispiele sorgt. Ein Modell, das zeigt, wie sich Wissen und Dienstleistung gegenseitig verstärken können. Danke an Fabrice Pöhlmann für das offene Interview und die Einblicke in ein Unternehmen, das Kreativität nicht nur predigt, sondern lebt.

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