Gründerstory hey mela: Der Sprint vom Labor in die Drogerie!
Im Rahmen unserer Gründerstories hat sich Dr. Alina von Phaeosynt die Zeit genommen, uns einen tiefen Einblick in die Entstehung von hey mela (heymela.de) zu geben – dem ersten veganen, nachhaltigen Schwangerschaftstest seiner Art. Im Interview spricht sie über die Transformation von universitärer Forschung hin zu marktfähigen Produkten, über die Vision einer tierleidfreien Diagnostik und über die persönlichen Herausforderungen eines Biotech-Startups.

Elevator-Pitch als Einleitung für das Interview
Bitte erkläre den Lesenden der AFS-Akademie etwas über euer StartUp. Wer bist du? Was tust du? Wer ist eure Zielgruppe? Was sind deine Ziele? Was zeichnet euer StartUp aus?
Phaeosynt ist ein Biotech Start-up aus Hannover, das Diagnostik endlich tierleidfrei machen will. Wir produzieren Antikörper in Kieselalgen und bieten so eine Alternative zur herkömmlichen Produktion in Tieren oder tierischen Zellkulturen. Unsere Antikörper sind für diverse diagnostische Anwendungen einsetzbar, wir haben selbst den ersten veganen Schwangerschaftstest „hey mela“ entwickelt, der seit kurzer Zeit in Drogerien und online erhältlich ist. Unser Schwangerschaftstest setzt voll auf Nachhaltigkeit: Wir verwenden tierfreie Antikörper, ersetzen Plastik durch Biokunststoff und haben ein App zum digitalen Auswerten statt Einwegbatterie und Elektroschrott. Unsere Zielgruppe in dem Segment Schwangerschaftstest sind Personen mit und ohne Kinderwunsch. Zeitgleich agieren wir auch auf B2B Ebene und vertreiben Antikörper an andere Unternehmen, aus den Bereichen Biotech und Diagnostik, aber auch Forschung. Ich bin Alina, Co-Founder und COO bei Phaeosynt und bilde die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Ich bin promovierte Chemikerin und bringe unsere Laborergebnisse raus in die wirtschaftliche Umsetzung und habe die Entwicklung des Schwangerschaftstests mit unseren Partnern umgesetzt. Ich und wir alle von Phaeosynt wollen Diagnostik endlich tierleidfrei gestalten und eine Revolution auf dem traditionellen Markt hervorrufen.
Hauptfragen zum Unternehmen & der Gründung
In den folgenden Fragen werfen wir einen detaillierten Blick auf die Gründungsgeschichte, die Entwicklung des Startups und die strategischen Entscheidungen dahinter.
Die Gründer berichten dabei offen über Herausforderungen, Erkenntnisse und Meilensteine ihres unternehmerischen Weges.
Von der Forschung zur Marktreife: Wie die Idee für Antikörper aus Kieselalgen entstand
Ursprung der Innovation: Alina, Stephanie und Stanislaus, ihr habt eure Forschung an der Leibniz Universität Hannover begonnen. Wie entstand die Idee, Antikörper mithilfe von Kieselalgen statt tierischen Produkten herzustellen? Welcher Moment war für euch der Wendepunkt, bei dem klar wurde: Das muss ein Produkt werden?
Stas hat in seiner Promotion an der Kieselalgen-Produktionsplattform geforscht und so gute Ergebnisse erzielt, dass der Gedanke zur Ausgründung aufkam. Wir haben uns als Team zusammen gefunden, da wir alle von der Idee begeistert waren und haben am Geschäftsmodell gefeilt. Wir haben nach ca. einem Jahr gemerkt, dass der Markt noch nicht so bereit ist für eine Innovation, durch eine starke Regulatorik (Medizinprodukte) ist die Markteintrittshürde hoch. Somit haben wir unser Geschäftsmodell angepasst, damit wir unsere Technologie auf den Markt bringen können und für Wirbel sorgen – die Wahl fiel auf den Schwangerschaftstest, ein Produkt, das jede:r kennt.
Phaeosynt 2023: Vom Labor zur schnellen Marktreife in der Biotech-Plattform
Gründung von Phaeosynt: Ihr gründetet Phaeosynt 2023 – eine Biotech-Plattform mit Schwerpunkt auf tierleidfreie Diagnostik. Warum die Entscheidung, zuerst ein Unternehmen zu gründen und nicht nur akademische Forschung zu betreiben? Was unterscheidet Phaeosynt von anderen Biotech-Startups?
Die akademische Forschung fand bereits durch meinen Kollgen Stas statt, wir wollten mit den Ergebnissen etwas bewirken und raus aus der Forschung. Uns unterscheidet auf jeden Fall die Schnelligkeit: Nach nur wenigen Jahren haben wir ein marktfähiges Medizinprodukt, diese Reise ist mit vielen Hürden verbunden. Aber wir haben zugesehen, dass wir schnell auf den Markt kommen, um etwas zu bewegen.
Warum hey mela mit dem Schwangerschaftstest startete
Die Wahl des Schwangerschaftstests als erstes Produkt: Mit hey mela als Konsumentenprodukt habt ihr bewusst eine emotionale und persönliche Zielgruppe gewählt. Warum war ausgerechnet der Schwangerschaftstest euer Einstiegsprodukt und nicht beispielsweise ein B2B-Diagnostikprodukt für Labore?
Die Entscheidung war ganz klar für ein B2C oder B2B2C Produkt, da wir die Kund:innen gezielt ansprechen können und für Aufklärung und Awareness sorgen können. Der Hebel hier etwas zu bewirken und weitere Produkte ändern zu können, ist viel größer. Auf B2B Ebene ist das Interesse für tierfreie Produkte nicht so stark und andere Faktoren stehen im Vordergrund.

Vom Labor zum Produkt: Technische Hürden und Innovation bei Phaeosynt
Technologische Innovation: Die Kieselalge Phaeodactylum tricornutum produziert Antikörper durch Salzwasser, Licht und moderate Temperaturen. Wie kompliziert war der Entwicklungsprozess von der Laboridee zum marktfähigen Produkt? Welche technischen Herausforderungen musstet ihr überwinden?
Die Entwicklung und Produktion unserer Antikörper war nur mit normalen wissenschaftlichen Hürden verbunden, das war ansonsten recht unkompliziert. Die Entwicklung des Tests war da aufwendiger, da wir uns mit vielen Dingen auseinandersetzen mussten, die für ein Biotech-Start-up nicht Standard sind: Spritzguß-Werkzeuge, Verpackung, Social Media Marketing, Logistik. Ganz abgesehen von der Regulatorik.
Vom Labor zum Produkt: Technische Hürden und Innovation bei Phaeosynt
Zertifizierungen und medizinische Standards: Hey mela ist ein zugelassenes Medizinprodukt nach EU-Richtlinien mit über 99% Zuverlässigkeit. Wie schwierig war der Zertifizierungsprozess? Welche Tests und Validierungen waren notwendig?
Der Zertifizierungsprozess verlief recht unkompliziert. Im Vorhinein konnte aber niemand genau einschätzen, wie lange es dauert – von 6 Monate bis 3 Jahre haben wir alles gehört. Wir waren nach nur wenigen Monaten beim TÜV durch und sehr erleichtert. Da der legale Hersteller unser Testproduzent ist, der erfahrener Diagnostik-Hersteller ist, wusste er genau was zu tun war und konnte alles korrekt planen und umsetzen.
Emotionale Verbindung schaffen: Zielgruppenansprache bei hey mela
Zielgruppe und emotionales Branding: Eure Zielgruppe sind Frauen, die in einem sensiblen Moment – einer möglichen Schwangerschaft – ein Produkt suchen, das ihre ethischen Werte widerspiegelt. Wie habt ihr diese emotionale Verbindung zu eurer Zielgruppe aufgebaut? Wie testet ihr diesen Ansatz kontinuierlich?
Der Aufbau zu unserer Zielgruppe findet fast ausschließlich auf Social Media statt. Hier betreiben wir Aufklärung und sprechen auch über Themen wie eine lange Kinderwunschreise. Durch die Ausstrahlung unseres Auftritts bei „Die Höhle der Löwen“ konnten wir eine große Bandbreite an Menschen ansprechen und haben überwältigend positives Feedback zu unserem Produkt bekommen, das zeigt uns, dass unsere Ansprache wirkt.
Nachhaltigkeit von Anfang an: Umweltfreundliche Produktentwicklung bei hey mela
Nachhaltigkeitsaspekte: Hey mela verzichtet auf Plastik zugunsten biobasierter Materialien, die Verpackung besteht aus 100% recycelten Fasern und es gibt keine Batterien. Wie wichtig war die Nachhaltigkeitsdimension von Anfang an für die Produktentwicklung?
Der Aspekt eines ganzheitlich nachhaltigen Produktes war für uns sehr wichtig. Wir wollten nicht nur tierfrei, sondern auch wirklich nachhaltig produzieren und haben daher an jeder Komponente gefeilt. Unser Biokunststoff ist eine gute Alternative zu Plastik und die App statt einer Batterie und Elektroschrott ein wesentlicher Vorteil. Außerdem produzieren wir in Deutschland, damit unsere Qualitätsansprüche sicher eingehalten werden können.
Die Höhle der Löwen“: Finanzierung, Bewertung & TV-Erfahrung
Die Höhle der Löwen Entscheidung: Ihr suchtet 200.000 Euro für 2% Firmenanteile – was einer Bewertung von 10 Millionen Euro entspricht. Wie habt ihr diese Bewertung begründet? Warum war die TV-Show für euch das richtige Medium?
Wir haben bereits 2 Finanzierungsrunden abgeschlossen, die letzte Runde mit einer Bewertung von den knapp 10 Millionen Euro. Da alle Investor:innen bei uns die gleichen Bedingungen haben, war diese Bewertung also gesetzt und entspricht einer realistischen Bewertung für ein Biotech Start-up. Die Show war aufgrund der Reichweite das richtige Medium, auch wenn unser Produkt aufgrund der hohen Bewertung nicht bei den Löwen ansprechend genug war.
Vertrieb und Markteinführung: Hey mela in Drogerien und online verfügbar
Markteinführung und Vertrieb: Hey mela ist deutschlandweit in Drogeriemärkten und online erhältlich. Wie habt ihr die Vertriebskanäle aufgebaut? Welche Partner habt ihr gewinnen können? Wie unterscheidet sich eure Distribution von klassischen Schwangerschaftstests?
Wir führen schon lange Gespräche mit den Drogeriemärkten in Deutschland und konnten sie schnell von hey mela überzeugen. So verkaufen wir derzeit bei Rossmann und dm, sowie auch online. Wir verkaufen genau dort, wo Kund:innen auch sonst Schwangerschaftstests kaufen, um die Hürde der Verfügbarkeit zu nehmen.

Zukunft und neue Produkte: Skalierbare Diagnostik mit Phaeosynt
Zukunftspläne und Produktentwicklung: Neben hey mela plant ihr einen Menopausentest für 2026 und weitere diagnostische Produkte auf Basis eurer Plattformtechnologie. Wie skalierbar ist euer Ansatz? Welche weiteren Produkte seht ihr als nächste Prioritäten?
Genau, als nächstes ist der Menopausentest geplant. Unser Ansatz ist sehr skalierbar, die Kieselalge ist ein einfach zu händelnder Organismus, der mit klassischen molekularbiologischen Methoden angepasst werden kann und uns ein großes Produktportfolio ermöglicht. Wir schauen jetzt auch verstärkt in Richtung B2B, damit wir unsere Technologie voll ausschöpfen können.
Fragen zu SEO, Online Marketing & Tools
Content Marketing & Storytelling: Authentisch über ethische Diagnostik berichten
Content Marketing und Storytelling: Eure Gründungsstory – von der Universität zur Innovation zur Gründung – ist kraftvoll und authentisch. Wie nutzt ihr diese Story in euer Content Marketing? Über welche Kanäle erzählt ihr die Botschaft „ethische Diagnostik"?
Personen folgen meist lieber Personen als Unternehmen. Das heißt wir zeigen uns und unsere Reise, mit allen Hürden und Erlebnissen. Wir wollen aufklären, aber manchmal auch entertainen oder zum Nachdenken anregen. Und ganz wichtig ist immer: Wir erzählen nur die Wahrheit.
Vertrauen schaffen: Kooperationen und authentisches Empfehlungsmarketing
Influencer und Vertrauensbuilding: Plant ihr Kooperationen mit Frauengesundheits-Experten, Gynäkologen oder Wellness-Influencern? Wie baut ihr Vertrauen bei einer Zielgruppe auf, die ein medizinisches Produkt kauft?
Ja wir planen Kooperationen mit passenden Influencern. Aber auch UGC ist sehr wertvoll, da wir auf authentischen Content und echte Empfehlungen setzen wollen.
Persönliche Fragen an die Gründer
Von der Forschung ins Business: Wissenschaft trifft Unternehmertum
Wissenschaft und Unternehmertum: Ihr vereint wissenschaftliche Exzellenz mit unternehmischem Denken. Wie schwierig war der Übergang aus der Universität in die Startup-Welt? Welche Fähigkeiten musstet ihr neu lernen?
Der Übergang war nicht ganz leicht und wir haben nach und nach unseren Weg gefunden. Ich bilde die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft – bin aber eigentlich Wissenschaftlerin. Ich musste also sehr viel Lernen und meine Herangehensweise anpassen, damit beide Parts zusammenfinden. Die Selbstorganisation und Verantwortung kannte man zum Teil schon aus dem wissenschaftlichen Werdegang, aber Stas und ich haben hier auf jeden Fall viel dazugelernt.
Ethik als Kern: Wie hey mela Werte täglich lebt
Ethik und Geschäftsmodell: Ethik ist bei hey mela nicht nur ein Marketing-Punkt, sondern Kern der DNA. Wie stellt ihr sicher, dass diese Ethik im Alltag gelebt wird und nicht nur eine Fassade ist?
Wir wollen ganz klar kein Green Washing betreiben. Daher sind wir offen und sprechen auch mit Akteuren aus den Themen Veganismus und Nachhaltigkeit und versuchen jeden Aspekt mitzudenken. Das haben wir von Anfang an definiert und vor allem ich treibe das auch immer weiter so voran.
Zukunft gestalten: Phaeosynts Vision für eine ethische Diagnostikbranche
Zukunftsvision: Was wäre für euch ein echter Erfolg mit Phaeosynt und hey mela – jenseits von Umsatzzahlen? Welchen Impact wollt ihr haben? Traum ihr davon, den Standard in der gesamten Diagnostik-Industrie zu verändern?
Unser Traum ist die Revolutionierung der Diagnostik-Branche. Wir wollen Tierleid verhindern und am liebsten unsere Technologie auf alle Diagnostik-Produkte ausweiten. Das ist natürlich derzeit unerreichbar, daher nehmen wir uns vor viele verschiedene Produkte zu verändern, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten und nicht gegeneinander, damit wir gemeinsam profitieren und einen Impact für Tiere und Umwelt erzeugen.

Schnellfragen zur Gründerpersönlichkeit
Hast du persönlich starke ethische Werte, die dich bei der Gründung von Anfang an geleitet haben?
Ja – Veganismus und Nachhaltigkeit treiben mich voran.
Glaubst du, dass Startups ethisch zugleich erfolgreich und profitabel sein können?
Ja – der Weg als Startup ist lang, da muss man erst mal profitabel werden. ;)
Hättest du dich auch für ein Unternehmen beworben, das weniger ethisch ist, dafür aber mehr Geld verdient?
Jein – mein Job muss mit meinen ethischen Vorstellungen übereinstimmen. Aber wenn die Alternative Arbeitslosigkeit ist, hätte ich auch etwas nicht so ethisches gemacht.
Siehst du in den Kritiken an deiner hohen Bewertung (10 Millionen Euro) eher eine Chance zu lernen oder eher ein Missverständnis des Marktpotenzials?
Ich sehe eher das Missverständnis des Marktpotenzials.
Schnellfragen zum Online Marketing und SEO
Nutzt ihr derzeit bezahlte Werbung (Google Ads, Facebook Ads) für hey mela?
Ja
Plant ihr, einen Blog zu starten, der über Frauengesundheit, Schwangerschaft und nachhaltige Medizinprodukte aufklärt?
Ja
Arbeitet ihr aktiv mit Influencern, Ärzten oder Gesundheits-Experten zusammen?
Ja
Nutzt ihr User-Generated Content von Kundinnen – etwa Erfahrungsberichte oder Testimonials – in euerem Marketing?
Ja
hey mela: Ein Startup, das Diagnostik neu denkt
Mit ihrer Offenheit und ihrem starken Engagement hat uns Dr. Alina gezeigt, wie Phaeosynt aus einer Forschungsvision ein marktreifes, nachhaltiges Diagnostikprodukt entwickelt hat. Vom ersten Prototypen über die ethischen Grundwerte bis hin zur Mission einer tierfreien Diagnostik – die Geschichte von hey mela beweist, wie viel Wirkung entsteht, wenn Wissenschaft und Verantwortung zusammenkommen.
Wir bedanken uns herzlich bei Alina für das inspirierende Gespräch und die spannenden Einblicke in die Welt von Phaeosynt und hey mela. Ihre Vision zeigt, wie mutige Gründer:innen die Zukunft der Diagnostikbranche nachhaltig verändern können.

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