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Gründerstory: Von der Excel-Tabelle zur Landeskooperation: Wie SPLINT digitale Förderplanung in Schulen bringt

Digitale, kollaborative Förderplanung statt Papierchaos: Im Interview zeigt Inklusion Digital, wie Schulen mit SPLINT entlastet werden und Teamarbeit wirklich funktioniert. Ein Blick hinter die Kulissen eines EdTech-Start-ups mit klarer Mission.

Gründerstory: Von der Excel-Tabelle zur Landeskooperation: Wie SPLINT digitale Förderplanung in Schulen bringt
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Wenn Lehrkräfte sagen, dass sie sich seit SPLINT nicht mehr allein fühlen mit der Förderplanung, dann weiß Friedo Scharf, dass er das Richtige gebaut hat. Der Sonderpädagoge hat mit Inklusion Digital eine Web-App entwickelt, die ein Problem löst, das an fast jeder Schule existiert: Förderpläne, die im Papier versanden, statt im Alltag zu wirken. Heute ist SPLINT an knapp 4.000 Schulen im Einsatz und ermöglicht erstmals, Förderdaten sogar bundeslandübergreifend weiterzugeben. Im Interview erzählt Friedo, wie er Schulen als Zielgruppe erreicht, warum SEO und Empfehlungen im Bildungsmarkt zusammenspielen müssen und was es bedeutet, als kleines Team mit Ministerien zu verhandeln.

InklusionDigital Logo

Elevator-Pitch als Einleitung für das Interview

Bitte erkläre den Lesenden der AFS-Akademie etwas über euer StartUp. Wer bist du? Was tust du? Wer ist eure Zielgruppe? Was sind deine Ziele? Was zeichnet euer StartUp aus?

Ich bin Friedo Scharf, Sonderpädagoge und Mitgründer von Inklusion Digital. Wir entwickeln mit SPLINT eine Web-App, die Förderplanung endlich machbar macht: digital, kollaborativ, alltagsnah – und dabei DSGVO-konform. Unsere Zielgruppe sind vor allem Schulen: Lehrkräfte, Sonderpädagog:innen, Schulleitungen – und perspektivisch auch alle, die an Förderung beteiligt sind. Unser Ziel ist simpel: mehr Zeit für Kinder, weniger Papierkram – und eine Förderkultur, die nicht im Ordner verschwindet, sondern im Alltag wirkt.

Hauptfragen zum Unternehmen & der Gründung

In den folgenden Fragen werfen wir einen detaillierten Blick auf die Gründungsgeschichte, die Entwicklung des Startups und die strategischen Entscheidungen dahinter.

Die Gründer berichten dabei offen über Herausforderungen, Erkenntnisse und Meilensteine ihres unternehmerischen Weges.

Vom strukturellen Problem zur digitalen Lösung für Förderplanung

Inklusion Digital steht für digitale Inklusion und chancengerechte Bildung. Was war der konkrete Auslöser, aus dem heraus ihr SPLINT als Web-App für Förderplanung entwickelt habt?

Ganz ehrlich: Ich habe Förderplanung jahrelang als etwas erlebt, das wichtig ist– aber im Alltag oft untergeht, weil die Ressourcen fehlen. Und dann passiert genau das, was nicht passieren darf: Ein Kind hat Bedarf – und der Prozess dauert ewig oder versandet im Papier.

Der Auslöser war also nicht „Wir bauen mal ’ne App“, sondern: Ich wollte dieses strukturelle Problem lösen, das uns alle belastet.

Förderplanung alltagstauglich und gemeinsam gestalten

Viele Schulen arbeiten noch mit Excel-Listen, Papierordnern und individuellenLösungen. Welches Problem im schulischen Alltag wolltet ihr mit SPLINT ganzkonkret lösen?

Das Kernproblem ist: Förderplanung ist oft Einzelkämpferarbeit, verteilt auf Excel-Listen,Papierordner, Notizen – und am Ende liegt der Plan irgendwo in der Akte.

Wir wollten, dass Förderplanung zentral, verständlich und gemeinsam funktioniert. Nicht als Zusatzaufgabe, sondern als Werkzeug, das im Alltag wirklich hilft.

Interdisziplinäres Gründerteam aus Praxis und Technik

Wie seid ihr als Gründerteam zusammengekommen – und welche Kompetenzen aus Pädagogik, IT und Schulverwaltung bringt ihr jeweils in Inklusion Digital ein?

Ich war im Sabbatjahr, mein Freund Sebastian Trapp ist Softwareentwickler. Wir saßen zusammen und ich habe ihm von meinem Leid erzählt und von meinen Exceltabellen vorgeschwärmt. Da hat er seine Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und angeboten, dass wir das Problem mal ernsthaft lösen.

Ich bringe die pädagogische Perspektive und den Schulalltag mit – Sebastian die technische Umsetzung. Und genau diese Kombi ist unser Vorteil: Praxisproblem + saubere Software.

Von der Idee zum praxiserprobten Prototypen

SPLINT ermöglicht kollaborative Förderplanung im Kollegium – DSGVO-konform undzentral an einem Ort. Wie sah der Weg von der ersten Idee zum ersten einsatzfähigen Prototypen an echten Schulen aus?

Früh so: raus aus der Theorie, rein in die Schule. Wir haben nicht im stillen Kämmerlein gebaut, sondern SPLINT sehr schnell in echte Kollegien gebracht, Feedback eingesammelt und wieder angepasst.

Dabei durften wir zwar in der Software unvollständig sein und in der Nutzerführung unperfekt, wir mussten aber sicherstellen, dass wir im Datenschutz keine Lücken haben. Zum Glück wurden wir da von Anfang an gut begleitet und Sebastian ist ein sehr guter Entwickler – und genau so entsteht ein Produkt, das am Ende im Schulalltag funktioniert.

Zusammenarbeit mit Bundesländern als Schlüssel zur Skalierung

In Niedersachsen und in Teilen von Nordrhein-Westfalen ist SPLINT bereitskostenfrei nutzbar. Wie ist diese Zusammenarbeit mit den Bundesländern entstandenund welche Rolle spielen öffentliche Akteure für euer Geschäftsmodell?

Öffentliche Akteure sind im Bildungsbereich nicht „nice to have“, sondern entscheidend, wenn man Wirkung in die Fläche bringen will. Am Ende gehen die großen Kooperationen aber alle auf den Kontakt zu einzelnen sehr engagierten Lehrkräften zurück.

Diese haben sich für uns stark gemacht und immer wieder hartnäckig bei ihren Vorgesetzten nachgefragt, bis sie Interesse wecken konnten und die Vorgesetzten sich SPLINT angucken wollten.

Das Problem ist, dass die Menschen, je höher sie in der Verwaltung arbeiten, desto weniger Zeit haben sie, um sich Innovationen anzusehen.

Unser Glück war, dass wir, sobald wir die Aufmerksamkeit bekommen haben, das Problem sehr gut darstellen konnten. Wir sprechen eben die gleiche Sprache. Ich bin Pädagoge und habe das Problem aus der Praxis heraus lösen wollen. Das kommt uns jetzt zugute.

Und genau da setzen Landeskooperationen an – als Hebel für Skalierung und echte Systemwirkung.

Entwicklung mit Lehrkräften für den echten Schulalltag

Euer Produkt zielt stark auf alltagsnahe, intuitive Nutzung. Wie habt ihr Lehrkräfte,Sonderpädagog:innen und Schulleitungen in den Entwicklungsprozess eingebunden, damit SPLINT wirklich im Schulalltag funktioniert?

Indem wir zugehört haben. Immer wieder. Und indem wir akzeptiert haben: Wenn ein Toolnicht intuitiv ist, wird es nicht genutzt – egal wie gut die Idee ist.

Lehrkräfte haben keine Zeit für „Einarbeitungsprojekte“. Also bauen wir so, dass man reinkommt, ohne Handbuchstudium.

Natürlich ist und bleibt SPLINT ein komplexes Programm, an dem wir arbeiten müssen, aber wir bleiben selbstkritisch und offen für Kritik. Wir ermutigen unsere Nutzer:innen auch immer wieder ihre Kritik an uns weiterzuleiten. Wir richten unsere Weiterentwicklung daran aus.

SPLINT ist Teil des Kollegiums und das bestärken wir immer wieder.

Splint Förderplanung Flyer mit Gründern

Strukturierte Förderung mit echter Entlastung für Lehrkräfte

Inklusion bedeutet immer auch Differenzierung und individuelle Lernwege. Wie unterstützt SPLINT Lehrkräfte konkret dabei, individuelle Lernentwicklungen und Förderbedarfe strukturiert abzubilden, ohne sie zusätzlich zu überlasten?

Förderplanung muss einfach, effizient und kollaborativ sein – sonst bleibt sie liegen. SPLINT strukturiert den Prozess, hilft beim Formulieren, macht Informationen sofort verfügbar fürsTeam und bringt passende Impulse (z. B. Maßnahmen) dorthin, wo sie gebraucht werden.

Das Ziel ist nicht „mehr Dokumentation“, sondern bessere Orientierung – und dadurch Entlastung.

Zwischen Skepsis und spürbarer Erleichterung

Ihr bietet Live-Webinare an, um SPLINT kennenzulernen und auszuprobieren. Welche typischen Reaktionen erlebt ihr in diesen ersten Kontakten – eher Skepsis gegenüber „noch einem Tool“ oder Erleichterung, dass endlich etwas zusammenläuft?

Beides. Skepsis ist normal – „noch ein Tool“ hört man oft. Zu uns kommen viele Lehrkräfte, die große Vorbehalte gegenüber Digitalisierung haben.

Aber wenn Lehrkräfte sehen, dass SPLINT nicht noch ein System oben drauf ist, sondern Dinge zusammenführt und die Teamarbeit erleichtert, kippt es sehr häufig in Erleichterung. Außerdem lösen wir ein Problem, das so offensichtlich ist, dass es immer wieder vorkommt, dass die Lehrkräfte nicht glauben können, dass es bisher noch keine Lösung dafür gab.

Diagnostik und Förderung als vernetzter Weg zur inklusiven Bildung

Neben SPLINT unterstützt ihr u. a. die Dysmate-Normierungsstudie zur Früherkennung von LRS. Wie fügt sich dieses Engagement in eure Gesamtvisioneiner digital unterstützten, inklusiven Bildungslandschaft ein?

Wir unterstützen die Normierung der LRS-Diagnostik Dysmate zwar nur, bzw. bieten mit SPLINT eine Plattform für den Datentransfer innerhalb der Normierungsstudie, aber wir freuen uns darüber, dass sich Unternehmen wie Dysmate an uns wenden.

Wir sehen großes Potential darin, dass größer angelegte Normierungen von standardisierten Testverfahren einen einfacheren Zugang zu Schulen bekommen und helfen gerne dabei. Gleichzeitig sinkt durch SPLINT hoffentlich auch die Hürde, dass Testverfahren normiert werden. Und das großflächig in breiten Vergleichsgruppen. Wenn wir dazu einen Beitragleisten können, bringt das sicher sehr viel für die evidenzbasierte Förderung.

Aber die Überschneidung ist für uns nicht überraschend. Unsere Vision ist eine digitalunterstützte, inklusive Bildungslandschaft – und dazu gehört Diagnostik genauso wie Förderung. Dysmate hilft, LRS frühzeitig zu erkennen; SPLINT hilft, daraus konsequente Förderung zu machen – strukturiert und im Team.

Kurz: Erkennen planen begleiten, ohne dass es im System hängen bleibt.

Praxisfeedback und Vertrauen als Wegweiser für unsere Entwicklung

Wenn ihr auf eure bisherige Reise zurückblickt: Welcher Meilenstein – z. B. ein Landesdeal, eine bestimmte Schule oder ein Feedback aus der Praxis – hat euch am deutlichsten gezeigt, dass Inklusion Digital auf dem richtigen Weg ist?

Am deutlichsten ist es immer dann, wenn Rückmeldungen aus der Praxis kommen – wenn Lehrkräfte sagen: „Endlich kriegen wir das im Team hin“ oder „Seit dem wir SPLINT nutzen, sprechen wir positiver über unsere Schüler:innen“

Das sind die Momente, in denen klar wird: Wir bauen nicht „Software“, wir bauenArbeitsfähigkeit in einem überlasteten System.

Trotzdem aus wirtschaftlicher Perspektive ist es natürlich phänomenal, dass wir ziemlich früh nach unserer Gründung einen Landesdeal mit Niedersachsen bekommen haben und danach mit NRW in die Pilotierung gegangen sind. Das fühlte sich schon ziemlich großartig an. Es ist ja auch eine Menge Vertrauen, das da in uns gesetzt wurde und wir haben wirklichTag und Nacht gearbeitet, um dem Vertrauen gerecht zu werden.

Es ist auch ein großer Hebel, der uns damit in die Hand gelegt wurde. Wir beeinflussen ja jetzt ganz konkret den Zugang zu Förderung für Schüler:innen an knapp 4000 Schulen. Das ist schon großartig. Ganz zu schweigen von der Vereinfachung der Datenweitergabe von einer Schule an die andere. Sogar Bundeslandübergreifend geht das jetzt, wo es bisher sogar Schwierigkeiten beim Wechsel von einem Landkreis in den anderen gab, weil die Formulare nicht verstanden wurden, herrscht jetzt Nachvollziehbarkeit.

Fragen zu SEO/Online Marketing & Tools

Vertrauen aufbauen: So erreicht ihr Schulen online

Ihr bewegt euch an der Schnittstelle von EdTech, Verwaltung und Schule – eine Zielgruppe, die online nicht immer leicht zu erreichen ist. Welche Online-Marketing-Kanäle funktionieren für euch bisher am besten, um Lehrkräfte und Schulleitungenzu erreichen?

Für uns funktioniert am besten, was Vertrauen aufbaut: Webinare, Empfehlungen aus Kollegien, Fach-Ökosysteme. Schulen ticken nicht wie klassische B2C-Zielgruppen –Beziehungen und Glaubwürdigkeit zählen mehr als Lautstärke.

Den Einstieg haben wir über die Sozialen Netzwerke gefunden. Es gab auf Twitter (jetzt X) eine starke Lehrercommunity. Genauso auf Instagram. Dort haben wir die First Mover gefunden. Fachmedien, wie News4Teacher haben uns aber auch geholfen.

Bild Zufriedene Schülerin mit Daumen nach oben

SEO als Türöffner, Empfehlungen als Verstärker

Welche Rolle spielen Suchmaschinen (SEO/SEA) für euch? Suchen Schulen aktiv nach Lösungen für digitale Förderplanung – oder müsst ihr eher über Netzwerke,Fachportale und Social Media Sichtbarkeit aufbauen?

SEO ist wichtig. Viele Schulen suchen nach Förderplanung, oder nach Maßnahmenvorschlägen. Mit Blogartikeln zu den Themen konnten wir uns relativ schnell relevant machen in dieser Nische. Ansonsten lebt Marketing in der Schule aber von Empfehlungen Kolleg:innen, Fortbildungen – und googeln dann nach. Sichtbarkeit +Empfehlung greifen ineinander.

Content als Aufklärung und Vertrauensbasis

Ihr bietet Webinare, Blogartikel und Infomails an. Wie setzt ihr Content-Marketingstrategisch ein, um Vertrauen aufzubauen und gleichzeitig die sehr spezifischen Anforderungen rund um Datenschutz und Schulpraxis zu adressieren?

Content ist bei uns kein „Marketing-Trick“, sondern Aufklärung: Was ist gute Förderplanung? Was ist DSGVO-konform möglich? Wie entlastet man Kollegien wirklich?

Wenn wir das sauber erklären, entsteht Vertrauen – und Vertrauen ist im Schulkontext dieeigentliche Währung.

Schlanker Tech-Stack mit Fokus auf Datenschutz und Prozessklarheit

Mit welchem Tech- und Marketing-Stack arbeitet ihr intern? Gibt es Tools (z. B. fürNewsletter, CRM, Web-Analytics, Automatisierungen), ohne die ihr euch euren Alltag bei Inklusion Digital nicht mehr vorstellen könnt?

Ich sag’s mal so: Ohne Tools, die Kommunikation, Support und Prozesse bündeln, geht es nicht. Wir sind da sehr langsam reingestolpert. Zuerst waren wir bei Brevo und nutzen das auch noch für die Newsletter. Als CRM nutzen wir jetzt aber vor allem PipeDrive.

Webanalyse ist in unserer Anwendung gar nicht möglich solange das Tool nicht auf unseren eigenen Servern liegt. Wir konnten uns von Anfang an also nicht auf die großen Anbieter stützen. Wir nutzen zur Analyse Matomo und müssen aber auch dabei sehr genau gucken, welche Funktionen wir nutzen dürfen und welche wir gar nicht aktivieren.

Dazu sprechen wir uns mit unseren Datenschutzbeauftragten ab. Wir würden gerne mehr lernen, aber noch wichtiger ist uns, dass wir allen Vorgaben gerecht werden.

Strukturierte Begleitung vom Erstkontakt bis zur Nutzung im Kollegium

Schulen gelten oft als schwer zugängliche Zielgruppe mit langen Entscheidungswegen. Welche digitalen Maßnahmen und Tools helfen euch, Interessenten strukturiert zu begleiten – von der ersten Information über das Webinar bis hin zur tatsächlichen Nutzung von SPLINT im Kollegium?

Struktur. Ein klarer Pfad: Erstkontakt → Webinar → Testen → Kollegium einbinden →Nutzung verstetigen. Und viel persönlicher Kontakt. Anders geht es nicht. Natürlich denken wir sehr viel über Automatisierungen nach, weil wir als kleines Unternehmen natürlich auch ständig über unsere Ressourcen nachdenken müssen, aber Schulen wünschen sich persönlichen Kontakt.

Und: niedrigschwellige Aktivierung. Wenn die ersten Schritte leicht sind, bleibt man dran. Wenn nicht, ist man weg.

Persönliche Fragen an die Gründer

Motivation aus dem Schulalltag: Entlastung schafft wieder Sinn

Viele eurer Nutzer:innen stehen unter massivem Zeit- und Ressourcendruck. Wie beeinflusst dieser Realitätsschock aus dem Schulalltag eure persönliche Motivation, Inklusion Digital weiter auszubauen?

Ich habe Schule immer als Ort mit Sinn erlebt – aber auch als Ort, an dem man an Grenzen stößt. Gerade deshalb motiviert es mich: Wenn wir Entlastung schaffen, kann Purpose überhaupt erst wieder wirken.

Gründerduo von InklusionDigital

Geprägte Haltung: Persönliche Erfahrungen als Grundlage für chancengerechte Bildung

Digitale Inklusion ist auch ein Wertethema. Welche persönlichen Erfahrungen – in Schule, Studium oder Beruf – haben eure Haltung zu chancengerechter Bildung besonders geprägt?

Als Sonderpädagoge siehst du sehr direkt, wie stark Biografie und Systembedingungen Lernwege beeinflussen. Chancengerechtigkeit ist nicht „ein nettes Ziel“, sondern Alltag: Entweder du organisierst Unterstützung – oder Kinder verlieren Anschluss. Ich war auch als Schüler an einer Integrationsschule und diese Erfahrung hat mich geprägt. Mir wurden keine Chancen genommen, dadurch, dass ich mit Schüler:innen gelernt habe, die eine Behinderung hatten. Warum sollte das also nicht gehen? Das System Schule ist überlastet. Das liegt aber nicht an der Inklusion, sondern daran, dass es unterfinanziert ist und die Ressourcen knapp sind. Wenn wir die Ressourcenfrage klären, können wir auch alle Kinder an der gleichen Schule fördern.

Geduld und Dranbleiben im komplexen Bildungssystem

Als Gründer in einem eher „schwerfälligen“ System wie dem Bildungswesen zuarbeiten, ist etwas anderes als ein klassisches B2C-Startup. Was war für euch persönlich die größte Umstellung oder Herausforderung auf diesem Weg?

Geduld. Und gleichzeitig Dranbleiben. Bildungswesen ist nicht schnell – aber die Probleme sind dringend. Die Kunst ist, Lösungen so zu bauen, dass sie anschlussfähig sind, ohne sich im System zu verlieren. Außerdem habe ich den Vorteil, dass ich aus dem System komme. Ich kenne es also nicht schneller. 😉

Wenn Teamarbeit wieder spürbar wird

Gibt es ein Feedback von einer Lehrkraft, einem Kind oder einer Schulleitung, das euch emotional besonders berührt und euch in schwierigen Phasen getragen hat?

Immer dann, wenn Lehrkräfte sagen, dass sie sich nicht mehr allein fühlen – weil Teamarbeit plötzlich wirklich möglich wird.

Zwischen Verantwortung, Realität und persönlicher Balance

Wie schafft ihr als Gründerteam Balance zwischen Produktentwicklung, Gesprächen mit Ministerien und dem eigenen Privatleben – und was tut ihr, um nicht komplett im Thema Schule und Inklusion „aufzugehen“?

Nicht perfekt. Aber wir versuchen, uns immer wieder zu erden: Kontakt zu Schulen, echte Gespräche, raus aus dem Dashboard-Denken. Wenn man nur noch „Tickets“ sieht, verliert man den Kern.

Aber klar, es bleibt ein Hustle.

Schnellfragen zur Gründerpersönlichkeit

Idealistisch oder zahlengetrieben?

Idealistisch – aber nicht naiv. Wirkung braucht wirtschaftliche Stabilität.

Fällt „Nein“ leicht?

Nicht immer. Aber es ist notwendig, sonst wird das Produkt zu komplex.

Pragmatiker:in oder Perfektionist:in?

Pragmatiker. Schule braucht Lösungen, die heute funktionieren.

Braucht ihr persönlichen Kontakt zu Schulen?

Ja. Definitiv. Das ist der Treibstoff.

Würdet ihr wieder gründen?

Ja. Trotz allem. Gerade weil’s zäh ist, braucht es Leute, die’s machen.

Schnellfragen zum Online Marketing und SEO

Sind gute Inhalte/Empfehlungen wichtiger als Performance?

Ja – im Schulbereich meistens schon.

LinkedIn relevanter als TikTok?

Für Entscheider:innen: eher ja. Allerdings fange ich erst an, mich mit TikTok zu beschäftigen. Vielleicht sehe ich das nächstes Jahr anders.

SEO für „Förderplanung/Inklusion“ strategisch?

Ja, weil Suchintention oft dann kommt, wenn der Need schon da ist.

Newsletter einer der effektivsten Kanäle?

Ja, wenn er hilfreich ist und nicht nervt.

Wird langfristig kein EdTech ohne Sichtbarkeit erfolgreich?

Sichtbarkeit ja – aber glaubwürdig. Sonst verpufft alles.

Ein starkes Signal für chancengerechte Bildung durch Inklusion Digital

SPLINT löst heute ein konkretes Problem – aber die Vision von Inklusion Digital reicht weiter. Diagnostik und Förderplanung digital vernetzen, Daten bundeslandübergreifend nutzbar machen, Lehrkräfte so entlasten, dass inklusive Bildung im Alltag wirklich funktioniert. Der Weg dahin ist langsam, das gibt Friedo offen zu. Aber die Richtung stimmt, die ersten Landeskooperationen beweisen es, und die Rückmeldungen aus der Praxis machen klar: Hier entsteht echte Systemwirkung. Wir bedanken uns bei Friedo Scharf für die Zeit und die Bereitschaft, auch über die zähen Seiten des EdTech-Gründens offen zu sprechen.

Gtünder Friedo Scharf & Sebastian Trapp von InklusionDigital
Gtünder Friedo Scharf & Sebastian Trapp von InklusionDigital

KONTAKT:

www.inklusion-digital.de

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