Polina Sergeeva & menstruflow: Wie ein FemHealth-Startup Periodenschmerzen neu denkt
Im Rahmen unserer Gründerstories haben wir mit Polina Sergeeva, Gründerin von menstruflow, gesprochen. Im Interview erzählt sie offen von ihrem persönlichen Antrieb, der Gründungsidee hinter ONEflow und davon, warum Periodenschmerzen für sie kein Tabuthema mehr sein dürfen.
Polina gibt Einblicke in den Aufbau ihres FemHealth-Startups, spricht über Technologie, gesellschaftlichen Impact und ihre Vision, Millionen Frauen mehr Selbstbestimmung im Alltag zu ermöglichen.

Elevator-Pitch als Einleitung für das Interview
Bitte erkläre den Lesenden der AFS-Akademie etwas über euer StartUp. Wer bist du? Was tust du? Wer ist eure Zielgruppe? Was sind deine Ziele? Was zeichnet euer StartUp aus?
menstruflow ist für mich mehr als nur ein Startup – es ist eine Bewegung. Ich bin Polina, Generalist, mehrfache Gründerin, aber vor allem eine Frau, die weiß, wie es sich anfühlt, von Periodenschmerzen eingeschränkt zu sein. Mein Ziel ist es, mit ONEflow TENS Millionen Frauen in Deutschland von diesen Schmerzen zu befreien – ohne Medikamente, ohne Hormone, einfach mit Technologie, die funktioniert. Unsere Zielgruppe sind alle, die endlich wieder frei atmen und leben wollen, ohne sich schämen oder einschränken zu müssen. Was uns ausmacht?
Dass wir nicht nur ein Produkt verkaufen, sondern ein Statement setzen: Periode ist normal – und wir machen sie endlich sichtbar.
Hauptfragen zum Unternehmen & der Gründung
In den folgenden Fragen werfen wir einen detaillierten Blick auf die Gründungsgeschichte, die Entwicklung des Startups und die strategischen Entscheidungen dahinter.
Die Gründer berichten dabei offen über Herausforderungen, Erkenntnisse und Meilensteine ihres unternehmerischen Weges.
Der Weg zur Gründung von menstruflow
Du warst lange Zeit in der Unternehmensberatung tätig – wie kam es dazu, dass du dich als Gründerin selbstständig gemacht hast? Welcher konkrete Moment war der Auslöser für die Gründung von menstruflow?
Mein Weg war alles andere als geradlinig. Ich habe lange in der Unternehmensberatung gearbeitet, aber irgendwann merkte ich: Ich will nicht nur Probleme analysieren, ich will sie lösen. Der Auslöser war ein Moment, als ich selbst wieder einmal vor Schmerzen kaum stehen konnte und mir klar wurde, dass es einfach keine wirklich gute, natürliche Lösung gibt. In diesem Moment wusste ich: Ich muss etwas ändern. Und so entstand menstruflow – aus Wut, aus Empathie, aus der Sehnsucht nach mehr Normalität.
Das Ausmaß des Problems
11 Millionen Frauen in Deutschland leiden unter Periodenschmerzen – wie bist du zu dieser Zahl gekommen und warum ist dies deiner Meinung nach ein unterversorgtes Problem im Gesundheitssystem?
Die Zahl ergibt sich aus folgender Berechnung: In Deutschland leben etwa 42,8 Millionen Frauen – davon sind ca. 17,3 Mio Frauen im gebärfähigen Alter (14 bis 50 Jahre). Studien zeigen, dass zwischen 80% und 91% dieser Frauen unter Periodenschmerzen leiden. Damit liegen die Zahlen je nach Studie zwischen etwa 14 und 16 Millionen Frauen in Deutschland, die unter Periodenschmerzen leiden. Diese Bandbreite spiegelt die unterschiedlichen Definitionen von „Periodenschmerzen“ und die Schwere der Beschwerden wider. Trotz dieser hohen Zahl bleibt das Problem im Gesundheitssystem unterversorgt – nicht zuletzt, weil das Thema weiterhin tabuisiert wird und Medikamente oft die einzige Antwort bleiben. Dabei wissen wir: Es geht auch anders. Wir wollen Frauen mehr Selbstbestimmung geben und das beginnt damit, dass wir offen darüber sprechen und nachhaltige, medikamentenfreie Lösungen schaffen.
Die Lösung: ONEflow im Überblick
Erkläre uns das ONEflow TENS-Gerät – wie funktioniert es genau und welche wissenschaftlichen Grundlagen stecken dahinter?
ONEflow ist für mich wie ein kleiner Revolutionär in der Hosentasche, der Frauen dabei hilft, wieder mehr Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben zu gewinnen. Das Gerät nutzt die sogenannte TENS-Technologie, also Transkutane Elektrische Nervenstimulation. Das bedeutet, es sendet sanfte elektrische Impulse durch die Haut, die die Schmerzreize an der Schmerzstelle blockieren, Muskulatur lockern, Krämpfe lösen und körpereigene Schmerzlinderung aktivieren. Die Wissenschaft dahinter ist solide: Zahlreiche klinische Studien belegen, dass TENS bei Menstruations- und Endometriose-Schmerzen wirklich wirkt und das ganz ohne Medikamente oder Nebenwirkungen.
Als ich das erste Sample selbst ausprobiert habe, war das ein ganz besonderer Moment. Plötzlich war da diese Erleichterung, dieses Gefühl von Freiheit – ohne Pillen, ohne Kompromisse. Das ist es, was ich anderen Frauen geben möchte: Die Möglichkeit, sich endlich wieder richtig zu fühlen, ohne sich schämen oder einschränken zu müssen. ONEflow ist dabei nicht nur wirksam, sondern auch einfach zu bedienen, diskret und geräuschlos. Es ist wie ein Freund, der immer da ist, wenn man ihn braucht und das ist für mich das Wichtigste.

Abgrenzung zu bestehenden Lösungen
Es gibt bereits andere Produkte zur Schmerzlinderung bei Menstruationsbeschwerden – was macht ONEflow einzigartig und warum sollten Nutzer sich für euer Produkt entscheiden?
Im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen wie Schmerztabletten, Wärmflaschen oder klassischen TENS-Geräten aus der Physiotherapie bietet ONEflow klare Vorteile. Tabletten basieren auf Chemie und können Nebenwirkungen haben. Viele Frauen wollen aber eine natürliche, medikamentenfreie Alternative. Wärmflaschen sind zwar beliebt, aber nicht regulierbar, oft unbequem und unter der Kleidung nicht diskret tragbar. Klassische TENS-Geräte aus der Physiotherapie sind oft groß, klobig und nicht auf die speziellen Bedürfnisse des biologisch weiblichen Körpers abgestimmt – weder in Form noch in Anwendung.
ONEflow ist dagegen zusammen mit Frauenärzt:innen speziell für menstruierende Menschen entwickelt worden: Es ist diskret, benutzerfreundlich, geräuschlos und lässt sich einfach unter der Kleidung tragen. Die Technologie ist auf die Anatomie und den Alltag abgestimmt. Es ist kein Medikament, keine unpraktische Wärmflasche und kein klobiges Gerät, sondern eine echte Alternative, die sich wirklich in den Alltag integrieren lässt.
Geschäftsmodell und Erlösquellen
menstruflow verdient Geld durch Geräteverkäufe, Pad-Abos und B2B-Kooperationen mit Benefit-Plattformen – wie verteilt sich euer Umsatz auf diese Kanäle und welche Strategie habt ihr für die nächsten 12 Monate?
Unser Geschäftsmodell ist vielfältig: Wir arbeiten nicht nur mit Online-Apotheken zusammen, sondern auch mit Multiplikatoren wie dm Österreich Online-Shop und einzelnen stationären Periodenläden. Unser Ziel ist es, Frauen über möglichst viele Kanäle zu erreichen – egal ob online, im Einzelhandel oder über spezialisierte Partner. Wir verfolgen dabei das klassische Razor & Blade-Modell: Das ONEflow-Gerät kauft man einmalig, die Pads müssen nachgekauft werden, da sie nach einiger Zeit nicht mehr optimal haften. Die Pads erhält man ganz einfach im Abo. Dadurch bleibt die Anwendung langfristig einfach und komfortabel.
Über unseren eigenen Shop sowie über unsere Partner erreichen wir Kundinnen direkt. Zusätzlich bauen wir gerade im B2B-Bereich das Thema „Menstrual Health Benefits“ aus: Wir kooperieren mit Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden mehr Unterstützung bei Menstruationsbeschwerden bieten möchten. Aktuell stammt unser Umsatz zu rund 70% aus dem Direktverkauf über unseren Shop.
Unsere Strategie für die nächsten 12 Monate ist es, noch mehr Unternehmen für B2B-Kooperationen zu gewinnen, um den B2B-Umsatz weiter zu steigern. Parallel planen wir, den stationären Einzelhandel anzugehen. Damit erreichen wir Frauen auch dort, wo sie bereits regelmäßig ihre Periodenprodukte einkaufen. So können wir die Reichweite weiter ausbauen und noch mehr Frauen mit unserer Lösung unterstützen.
Bootstrapping und Finanzierung
menstruflow wurde zunächst selbst finanziert – wie lange konntet ihr mit eigenen Mitteln wachsen und wie habt ihr die kritischen Phasen bewältigt?
Wir sind nach wie vor gebootstrapped und nun seit zwei Jahren auf dem Markt. Natürlich merken wir, dass wir nicht die gleiche Power haben wie Startups mit großen Investoren oder VCs: Marketing-Budgets sind begrenzt, und wir müssen uns jede Entscheidung genau überlegen. Aber unser großer Vorteil ist, dass wir ein echtes Problem lösen – nämlich Periodenschmerzen. Dadurch wachsen wir vor allem über Mundpropaganda und Empfehlungen. Wir merken auch, wie sich immer mehr Medien auf uns stürzen, weil sie das Thema als besonders relevant und zukunftsorientiert sehen und sich damit gerne schmücken möchten. So sind wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort und nutzen diese Energie, um auch weiterhin gebootstrapped zu bleiben.
Kritische Phasen haben wir dank unseres Netzwerks gut überstanden. Die richtigen Kontakte und die Fähigkeit, uns immer wieder querzufinanzieren, haben uns geholfen, Hindernisse zu meistern. Besonders wichtig ist dabei unser Partner Banxware, der uns bei Bedarf innerhalb von 48 Stunden mit kleinen Darlehen unterstützt und uns so die nötige Flexibilität gibt, um auch in schwierigen Zeiten weiterzumachen.
Strategische Partnerschaften
Die Kooperation mit Snocks seit Mai 2025 ist ein großer Meilenstein – wie seid ihr auf Snocks gekommen und wie wird sich diese Partnerschaft auf euer Wachstum auswirken?
Die Kooperation mit Snocks seit Mai 2025 ist für uns ein echter Meilenstein. Ich kenne Johannes, den Gründer von Snocks, noch aus meiner Zeit in Mannheim. Wir haben damals beide an der gleichen Universität studiert und waren beide schon damals in der Startup-Szene unterwegs. So entstand eine langjährige Verbindung, die über die Jahre gepflegt wurde. Als wir dann die Idee von menstruflow entwickelt haben, war die Zusammenarbeit mit Snocks für uns der perfekte Start als Referenzpartner. Diese Partnerschaft gibt uns nicht nur Zugang zu einem starken Netzwerk, sondern zeigt auch, dass Unternehmen immer mehr Wert auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden legen – gerade im Bereich Menstrual Health. Das gibt uns Rückenwind und beschleunigt unser Wachstum im B2B-Bereich.

Zukunftsvision und Wachstum
Wenn ich mir euer Startup in zwei bis drei Jahren vorstelle – wo würde menstruflow idealer Weise stehen? Plant ihr eine internationale Expansion?
Wenn ich mir menstruflow in zwei bis drei Jahren vorstelle, dann idealerweise so: 10% der Unternehmen in Deutschland haben ONEflow als Menstrual Health Benefit eingeführt, das Produkt ist im stationären Handel erhältlich, wir haben das Produkt kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert und es ist sogar bei Krankenkassen drin, sodass ONEflow von Ärzt:innen verschrieben werden kann. Wir wollen, dass JEDE menstruierende Person, die unter Periodenschmerzen leidet, Zugang zu unserer Lösung hat.
Eine internationale Expansion ist für uns klar geplant! Anfang 2026 wird unser erster internationaler Shop live gehen – und zwar in Indonesien. Außerdem sehen wir Großbritannien und die USA als besonders interessante Märkte, weil dort das Thema Menstrual Health ebenfalls zunehmend an Bedeutung gewinnt und wir unsere Erfahrungen und unser Produkt auch dort erfolgreich einbringen können.
Teamstärke als Erfolgsfaktor
Wer sind Marvin Mischler und Aiya Adams – welche Rollen erfüllen sie bei menstruflow und warum ist das Team die Geheimwaffe des Startups?
Marvin Mischler und Aiya Adams sind für mich mehr als nur Geschäftspartner – ich kenne beide (ebenfalls) aus meiner Zeit in Mannheim, wo wir uns schon vor Jahren kennengelernt haben. Marvin ist unser Technik-Genie und Aiya unsere Design-Expertin. Was uns ausmacht? Dass wir alle unterschiedliche Hintergründe haben, aber alle das gleiche Ziel verfolgen: Frauen mehr Selbstbestimmung zu geben. Unser Team ist unsere Stärke, weil wir offen, ehrlich und leidenschaftlich sind. Jeder von uns bringt etwas Besonderes mit und genau das macht menstruflow aus.
Mehr als Zahlen: Wirkung im Alltag
"Periode ist normal" – das ist euer Mantra. Wie sieht dein Erfolg aus, wenn man ihn nicht nur in Euro und Verkaufszahlen misst, sondern auch in gesellschaftlichem Impact?
Wenn ich Erfolg nicht an Verkaufszahlen oder Umsatz messe, dann an den kleinen und großen Veränderungen, die wir im Alltag von Frauen bewirken. Für mich ist Erfolg, wenn Frauen uns schreiben, dass sie dank ONEflow wieder schmerzfrei sind – besonders wenn es um schwerwiegende Fälle wie Endometriose geht. Jede Nachricht, die zeigt, dass eine Frau sich endlich wieder frei fühlt, dass sie nicht mehr eingeschränkt ist und sich nicht mehr schämen muss, ist für mich ein großer Moment. Der gesellschaftliche Impact zeigt sich für mich darin, dass Periode immer mehr als normales Thema wahrgenommen wird und Frauen endlich die Unterstützung bekommen, die sie verdienen. Wenn wir dazu beitragen können, dass das Tabu bröckelt und Frauen mehr Selbstbestimmung gewinnen, dann haben wir etwas wirklich Wichtiges erreicht.
Fragen zu SEO / Online Marketing & Tools
Sichtbarkeit schaffen durch Aufklärung
Wie nutzt ihr Content Marketing, um Aufklärung zum Thema Menstruationsgesundheit zu leisten und gleichzeitig eure Zielgruppe zu erreichen?
Wir setzen bei menstruflow bewusst auf „lautes Marketing“ und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund – wir sprechen offen über Themen, die viele lieber verschweigen: PERIODE IST NORMAL! Dazu gehört auch, dass wir unsere Offline-Aktionen, wie meine berühmte Guerilla-Aktion mit dem großen Demoschild, direkt in die Online-Welt übertragen. Die Reaktionen darauf sind oft genauso vielfältig wie unsere Zielgruppe – von kritischen bis zu inspirierenden Kommentaren. Um Aufklärung zu betreiben, nutzen wir außerdem den Period Pain Simulator (auch wir haben uns dem Pain Simulator gestellt, das Video dazu findet ihr am Ende des Interviews), mit dem wir nicht menstruierende Menschen für das Thema sensibilisieren. Herausforderungen wie „Geh damit zur Arbeit“, „Pitch dein Unternehmen“ oder „Erledige deinen Alltag“ machen deutlich, wie stark Periodenschmerzen das Leben beeinflussen können.

Sichtbarkeit und Engagement auf Social Media
menstruflow ist stark auf Social Media präsent – wie strukturiert ihr eure Social-Media-Strategie und welche Plattformen performen am besten für euch?
Unsere Social-Media-Strategie ist simpel: Wir sind laut! Instagram ist aktuell unsere wichtigste Plattform, auch wenn wir das Potenzial von TikTok sehen. Auf Instagram spielen wir unsere Lautstärke und Authentizität bewusst aus. Wir posten, was uns bewegt, und lassen keine Tabus zu. Ziel ist es, eine echte Community aufzubauen, die sich mit uns identifiziert und aktiv mitmacht.
Effektives Paid Advertising für menstruflow
Wie funktioniert euer Ansatz bei Paid Advertising? Welche Kanäle und KPIs sind am wichtigsten für euer User-Acquisition-Modell?
Unser Ansatz bei Paid Advertising ist ebenfalls: je lauter, desto besser. „Vanilla“-Werbung hat bei uns am Anfang nicht funktioniert. Hooks wie „Du hast Periodenschmerzen?“ sind zu 08/15 und bringen wenig. Stattdessen setzen wir auf provokante und ehrliche Formulierungen wie „Kann ich mir das ONEflow auch auf den Po kleben?“. Unser stärkster Kanal ist Google: hier erreichen wir Frauen, die bereits bewusst nach Lösungen suchen. Meta nutzen wir eher für Awareness, weshalb wir hier weniger auf Käufe achten, sondern mehr auf Impressionen und TKP.
Bedeutung von SEO für menstruflow
Wie wichtig ist organische Sichtbarkeit für menstruflow – habt ihr eine dedizierte SEO-Strategie und welche Keywords sind für euer Geschäft kritisch?
Organische Sichtbarkeit ist für uns extrem wichtig, denn genau hier findet sich unsere stärkste Zielgruppe. Marvin, unser Technik-Genie, hat mit seiner Frau Aiya eine eigene Webdesign-Agentur und bringt sein Know-how direkt in das menstruflow-Team ein. SEO wurde von Tag eins an beim Aufbau der Website integriert. Marvin kümmert sich persönlich darum, sodass wir kontinuierlich besser gefunden werden. Die wichtigsten Keywords für uns sind „Periodenschmerzen lindern“, „natürliche Schmerztherapie“ und „TENS-Gerät Menstruation”.
Community als Herzstück der Markenbindung
Ihr betreibt eine WhatsApp-Community und Community-Management – welche Rolle spielen diese digitalen Communities für Kundenbindung und wie messt ihr Erfolg?
Community ist eigentlich viel zu wichtig, um sie nur nebenbei zu behandeln. Aus Zeitgründen haben wir das bisher leider etwas stiefmütterlich behandelt, aber für 2026 haben wir in unserer Strategie festgelegt, eine Person ausschließlich für Community Management einzustellen. Weil wir mehr als nur ein Produkt sind, ist eine Community für uns essenziell. Wir wollen eine Bewegung sein und dafür brauchen wir Menschen, die mitmachen und die Marke lieben. Nur so werden wir 2026 zu einer Love Brand.

Persönliche Fragen an die Gründer
Die größten Hürden der ersten 18 Monate
Was war das Schwierigste in den ersten 18 Monaten nach dem Launch und welche Lektion hat dich am meisten geprägt?
In den ersten 18 Monaten nach dem Launch haben wir uns das Ganze deutlich einfacher vorgestellt. Unsere Formel war ganz klar: Es gibt Problem – wir haben die Lösung = es geht durch die Decke. Doch wir haben unterschätzt, dass wir ein Tabuthema angehen. Das hat uns vor große Herausforderungen gestellt, und zwar nicht nur im Marketing, sondern auch in der Kommunikation mit Kund:innen und Medien. Die wichtigste Lektion daraus ist: Wir müssen noch mehr und besser auf die Stimmen unserer Kund:innen hören und diese direkt in unsere externe Kommunikation einfließen lassen.
Zwischen Startup-Intensität und Privatleben
Du sprichst oft über „ehrliches Gründerinnenleben" – wie managst du die Balance zwischen der Intensität einer Gründung und deinem Privatleben?
Das „ehrliche Gründerinnenleben“ bedeutet für mich, dass ich nicht immer alles perfekt hinkriege. Manchmal gelingt die Balance gar nicht!! Glücklicherweise ist mein Ehemann auch im Startup-Bereich unterwegs, das hilft enorm, weil wir uns gegenseitig verstehen. In den letzten Monaten gab es schwierige Phasen, die sich wie ein großer Ballast angefühlt haben. Was habe ich getan? Ich habe angefangen, mir bewusst Zeit zu nehmen, und den Fuß ein bisschen vom Gaspedal genommen. Das hilft mir, wieder Energie zu tanken und durchzuhalten.
Lernquellen und persönliche Vorbilder
Wer oder was inspiriert dich am meisten in deiner Arbeit – gibt es Mentoren oder andere Gründer, von denen du viel gelernt hast?
Ich habe bisher keine klassischen Mentoren, wäre aber sehr offen dafür!!! Wer möchte mich auf meiner Reise begleiten? 🙂 schreibt mir gerne!
Als Vorbild sehe ich eigentlich mein zukünftiges Ich, denn letztlich ist das die Person, zu der ich werden möchte.
So sieht die Zukunft von menstruflow aus
Was möchtest du mit menstruflow langfristig erreichen – wo siehst du das Unternehmen in 5-10 Jahren?
Mein Big Picture ist es “Apple” im FemHealth-Bereich zu werden. Ganz konrekt möchte ich, dass menstruflow so etabliert ist wie das Nivea-Haus in Hamburg: mit einem Store, Period-Ruheräumen, einem Office, Co-Working-Flächen und einer Community-Plattform – alles unter einem Dach. In fünf Jahren soll menstruflow DAS Femhealth-Startup sein – und ich möchte die Polina von menstruflow sein, wie Lisa Sophie Cramer von Amorelie.

Schnellfragen zur Gründerpersönlichkeit
Triffst du berufliche Entscheidungen eher intuitiv oder basierend auf Datenanalysen?
Im ersten Moment intuitiv. Wenn ich unsicher bin, gehe ich in die Datenanalyse.
Hättest du die Gründung auch ohne finanzielle Ersparnisse gestartet?
100%!!!!
Gehört dein Erfolg zu 80% zu guten Kontakten und Netzwerk?
zu 60%
Kannst du kritisches Feedback von Nutzern und Investoren gut verarbeiten?
ja, ich FREUE mich über kritisches Feedback, weil ich nur so wachsen kann.
Es gibt Phasen, in denen du am liebsten alles hinschmeißen würdest – stimmt das?
Ja und die sind echt taff.
menstruflow: Technologie, die mehr als nur Schmerzen lindert
Mit menstruflow zeigt Polina Sergeeva eindrucksvoll, wie aus persönlicher Betroffenheit eine starke Mission entstehen kann. Von der ersten Idee bis zur klaren Vision eines international skalierbaren FemHealth-Startups steht eines im Mittelpunkt: Frauen eine echte, medikamentenfreie Alternative bei Periodenschmerzen zu bieten – und das Thema endlich aus der Tabuzone zu holen.
Wir bedanken uns herzlich bei Polina für ihre Offenheit, die ehrlichen Einblicke und die Zeit, die sie sich für dieses Interview genommen hat. Ihre Geschichte ist ein starkes Beispiel dafür, wie Unternehmertum, Technologie und gesellschaftlicher Impact wirkungsvoll zusammenkommen können.

KONTAKT:
Nach dem Interview mit Polina, hat sie es sich nicht nehmen lassen, Marco von der AFS an den Period Pain Simulator anzuschließen.