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Pottburri: Wie zwei Geschwister nach dem Shop-Aus neu durchstarten

Mit biologisch abbaubaren Pflanztöpfen will Pottburri den Gartenbau revolutionieren. Warum die Gründer:innen ihren Online-Shop aufgegeben haben – und trotzdem durchstarten.

Pottburri: Wie zwei Geschwister nach dem Shop-Aus neu durchstarten
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Im Rahmen unserer Gründerstories hat sich Antonia Cox, Mitgründerin von Pottburri, Zeit genommen, um mit uns über die Entwicklung ihres Startups zu sprechen. Im Interview gibt sie ehrliche Einblicke in die Gründe für die Shop-Schließung, den klaren Fokus auf den B2B-Bereich und ihre zweite Gründung: die Marketingagentur Pottlike Media. Eine Geschichte über Mut zur Veränderung, nachhaltige Visionen und ehrliches Unternehmertum.

Logo Pottburri

Elevator-Pitch als Einleitung für das Interview

Bitte erkläre den Lesenden der AFS-Akademie etwas über euer StartUp. Wer bist du? Was tust du? Wer ist eure Zielgruppe? Was sind deine Ziele? Was zeichnet euer StartUp aus?

Ich bin Antonia Cox, Co-Gründerin von POTTBURRI und Pottlike Media. 

Mit POTTBURRI entwickeln wir biologisch abbaubare Pflanztöpfe, die eine echte Alternative zum Plastiktopf im Gartenbau sind. Unsere Zielgruppe ist vor allem aus dem B2B-Bereich: Gärtnereien, Pflanzenproduzenten, Handelsketten. Also genau dort, wo mit großen Mengen gearbeitet wird und der Hebel besonders groß ist. Endkunden graben die Pflanze dann einfach mit POTT ein. Dort zersetzt er sich unter natürlichen Bedingungen zu Biomasse.

Parallel dazu bauen wir mit Pottlike Media eine Agentur auf, die Unternehmen am Niederrhein hilft, klarer und sichtbarer zu kommunizieren. Wir kommen selbst aus der Praxis – und vom Niederrhein – POTTBURRI ist dabei unsere Best Practice, dass wir Sichtbarkeit können.

Hauptfragen zum Unternehmen & der Gründung

In den folgenden Fragen werfen wir einen detaillierten Blick auf die Gründungsgeschichte, die Entwicklung des Startups und die strategischen Entscheidungen dahinter.

Die Gründer berichten dabei offen über Herausforderungen, Erkenntnisse und Meilensteine ihres unternehmerischen Weges.

Warum sich Pottburri vom Online-Shop verabschiedet hat

Antonia und Alexander, ihr habt euren Online-Shop 2024 geschlossen und euch komplett auf B2B fokussiert. Was waren die Hauptgründe für diese drastische Entscheidung?

Unser Produkt, der biologisch abbaubare POTT, ist vor allem für den professionellen Gartenbau geeignet. Wir haben im B2B-Bereich einfach einen viel größeren Hebel. Dort ersetzen wir auf einen Schlag tausende Plastiktöpfe, während wir im Online Shop 6 Pflanzen als Bundle verkauft haben – und damit auch nur jeweils 6 Töpfe ersetzt haben.

Gleichzeitig war der Aufwand für den Shop enorm, vor allem in der Kommunikation und Abwicklung. Auch die Logistik mit ultra-frischen Produkten ist eine besondere Hausnummer. Für uns war klar: Wir wollen Impact skalieren, nicht Workload.

Warum eine Sortimentserweiterung nicht einfach umsetzbar war

Ihr schreibt selbst: "Unser Sortiment an Pflanzen im nachhaltigen POTTBURRI ist aktuell zu klein, um den Shop damit das ganze Jahr über am Laufen zu halten." Warum habt ihr das Sortiment nicht einfach erweitert?

Faire Frage! Das Sortiment zu erweitern klappt nicht im Fingerschnippen. Wir haben seit Beginn fokussiert, Pflanzentöpfe an den professionellen Gartenbau zu verkaufen. Dieser produziert große Mengen für Baumärkte, Gartencenter oder den LEH. Wir haben für den Online Shop von diesen Mengen dann Pflanzen für den Online Shop abgezwackt; damit konnten wir auch Online immer nur das anbieten, was der Offline-Handel gefordert hat.

Trotz Erfolg: Warum der Fokus auf B2B der richtige Schritt war

Mit über 11 Millionen verkauften Töpfen und 187.000kg eingespartem Erdöl wart ihr extrem erfolgreich. War die Shop-Schließung trotzdem die richtige Entscheidung?

Ja, auf jeden Fall! Diese Mengen kamen ja auch damals schon vor allem durch den B2B Bereich zustande. Jetzt können wir uns nur noch mehr darauf konzentrieren.

Auslage von POTTBURRI im Baumarkt.

Ein Familienerbe weiterdenken statt beenden

Euer Großvater hat schon 30 Jahre an einem plastikfreien Pflanzentopf getüftelt. Wie schwer war es, dieses Familienerbe quasi "zu beenden"?

Genau, Opa hat schon vor Jahren an einer nachhaltigen Alternative getüftelt. Dass wir genau das aufgenommen haben und seine Vision jetzt massentauglich gemacht haben und weiterleben, ist ein sehr besonderes Gefühl.

Wie aus der Shop-Schließung Raum für Neues entstand

Antonia, du hast parallel Pottlike Media gegründet. War das schon immer der Plan oder kam das durch die Shop-Schließung?

Ich liebe Marken, Kommunikation und Startups. Dafür habe ich mich einfach immer schon interessiert (und in dem Bereich studiert). Mit der Shop-Schließung gab es dann neue Kapazitäten, parallel zum POTT eine Agentur aufzubauen.

Warum ein Comeback des Online-Shops nicht ausgeschlossen ist

Ihr betont, dass ihr "niemals nie" sagt und den Shop vielleicht wieder "ausgraben" werdet. Unter welchen Bedingungen wäre das denkbar?

Da müssten verschiedene Faktoren zusammenkommen: Breitere Verfügbarkeiten, klare und dauerhafte Nachfrage für Nachhaltigkeit beim Gärtnern, Kapazitäten für D2C-Kommunikation – um nur mal ein paar Faktoren zu nennen.

Neue Strategien für mehr Marktrelevanz im B2B

Der B2B-Markt war ja schon immer euer Kerngeschäft. Welche neuen Strategien fahrt ihr jetzt, um noch massentauglicher zu werden?

Da geht es tatsächlich vor allem um die weitere Topfentwicklung. Dabei spielen viele verschiedene Eigenschaften des Topfes eine Rolle: Winkel, Volumen, Größe, Wandstärken, Prozesssicherheit in der Produktion, Stabilität während die Pflanzen wachsen, Dauer der Zersetzung beim Endkunden, Preise. Hier drehen wir an allen möglichen Schrauben, um den Topf weiterhin als attraktive Alternative zum Plastiktopf zu bieten.

Reflexion zum Erfolg und Fokus auf B2B statt B2C

Ihr wart bei "Die Höhle der Löwen" und habt den "Gründer des Jahres 2021" gewonnen. Bereut ihr manchmal, dass ihr diesen Erfolg nicht weiter im B2C ausgebaut habt?

Reue wäre der falsche Begriff, aber es trifft mich natürlich schon ein wenig, dass offensichtlich auch das Potenzial im B2C Bereich da gewesen wäre. Trotzdem bin ich überzeugt: Es war die richtige Entscheidung, sich auf B2B zu konzentrieren. Hier ist der Hebel einfach größer.

Fragen zu SEO/Online Marketing & Tools

Wichtige SEO-Erkenntnisse aus der Pottburri-Gründerzeit

Mit Pottlike Media seid ihr jetzt selbst Marketing-Dienstleister. Welche SEO-Lessons habt ihr aus der Pottburri-Zeit mitgenommen?

Ich werde nie vergessen, wie happy ich war, als wir mit dem Pottburri-Shop für das Keyword „Lavendel kaufen“ auf Platz 1 bei Google standen. Das war damals auf jeden Fall ein Aha-Moment: SEO funktioniert ! Nur eben nicht von heute auf morgen. Es braucht Geduld, Struktur und Sinn.

Authentische Kommunikation als Schlüssel im Marketing

Euer LinkedIn-Post zur Shop-Schließung war sehr transparent und ehrlich. Wie wichtig ist euch authentische Kommunikation im Marketing?

Ich sehe das als absolute Grundlage. Geschichten erfinden kann jeder – aber echte Geschichten erzählen, das macht den Unterschied. Unsere Kommunikation basiert auf dem, was wirklich passiert. Und auf dem, was uns wirklich wichtig ist. Ich glaube fest daran: Nur wer ehrlich kommuniziert, bleibt langfristig relevant und erfolgreich.

POTTBURRI Aufsteller

LinkedIn als zentraler Kanal im B2B-Marketing

Ihr bietet LinkedIn-Workshops für Unternehmen an. Seht ihr LinkedIn als wichtigsten Kanal für B2B-Marketing?

Definitiv. Wenn die B2B-Zielgruppe irgendwo zu finden ist, dann auf LinkedIn – zumindest was die sozialen Medien betrifft.

Erfolgsmessung im Wandel: Von D2C-KPIs zu langfristigen Kundenbeziehungen

Wie trackt ihr den Erfolg eurer Marketing-Maßnahmen bei Pottlike Media im Vergleich zu früher bei Pottburri?

Das ist total unterschiedlich. Bei Pottburri ging’s um KPIs wie Average Order Values, Customer Lifetime Values oder Conversion Rates – also klassische D2C-Messgrößen. Bei Pottlike Media geht’s um Qualität statt Klicks:

Wie lange bleiben die Kunden?
Wird aus einem Kickoff-Projekt ein Retainer?
Und Faktoren wie Vertrauen oder Ruf haben eine ganz andere Bedeutung.

Persönliche Fragen an die Gründer

Vom Umweg zur Leidenschaft: Antonia über den Marketing-Pivot in der Pflanzenbranche

Antonia, du wolltest ursprünglich nie etwas mit Blumen zu tun haben und bist trotzdem in die Pflanzenbranche eingestiegen. Wie fühlst du dich jetzt mit dem Marketing-Pivot?

Es fühlt sich an, als hätte sich ein Kreis geschlossen. Ich hab gelernt, dass in der Pflanzenbranche – und vor allem auch am Niederrhein – riesiges Potenzial steckt. Heute macht es mir richtig Spaß, Dinge aus der Startup-Welt an den Niederrhein zu übersetzen.

Klare Grenzen schaffen: Familie und Startup erfolgreich trennen

Du und Alexander springt zwischen "Family- und Start-up-Bubble". Wie schafft ihr es, Familienbetrieb und eigene Unternehmen zu trennen?

Durch glasklare Rollen: familiär und geschäftlich. Wir wissen genau, wann wir Geschäftspartner sind – und wann großer Bruder und kleine Schwester. Diese klare Trennung war auch ein Grund für die Ausgründung von POTTBURRI. Ein Startup braucht andere Prozesse, andere Dynamiken, andere Ziele. Und genau das wollten wir auch unternehmerisch sichtbar machen.

Emotionaler Abschied: Shop-Schließung und Vision im Wandel

Was war emotional schwerer: Die Shop-Schließung oder der Abschied von der ursprünglichen Vision, jeden Hobbygärtner zu erreichen?

Das hängt für mich beides zusammen. Der Shop war unser direkter Draht zu den Hobbygärtnern, deshalb war die Schließung natürlich ein Einschnitt. Auch jetzt erreichen wir über den Handel noch viele Menschen. Wir wissen nur eben nicht mehr ganz genau wann, wo und wie – weil es jetzt die Kunden unserer Kunden sind. Der Wunsch, die Menschen zu erreichen, bleibt. Der Weg, wie, hat sich verändert.

Ständige Neuerfindung: Wie Antonia Herausforderungen mit Energie meistert

Antonia, du beschreibst einen "beruflichen Frühjahrsputz". Wie gehst du mit der ständigen Neuerfindung um?

Ich liebe es, neue Ideen anzudenken – und sie dann auch mit Tatendrang umzusetzen. Mich begeistern Themen sehr schnell, und wenn mich etwas packt, will ich am liebsten direkt loslegen. Mir gibt die ständige Neuerfindung eher Energie, als dass sie mich bremst.

Antonia von POTTBURRI

Schnellfragen (Ja/Nein-Antworten) zur Gründerpersönlichkeit

Bereut ihr die Shop-Schließung manchmal?

Nein

Würdet ihr wieder ein Familienunternehmen gründen?

Ja

Denkt ihr täglich an neue Pottburri-Produktideen?

Ja

Seid ihr stolz auf eure Transparenz bei der Shop-Schließung?

Ja

Glaubt ihr, dass ihr zu früh aufgegeben habt?

Nein

Schnellfragen (Ja/Nein-Antworten) zum Online Marketing und SEO

Nutzt ihr bei Pottlike Media dieselben Tools wie früher bei Pottburri?

Ja

Ist LinkedIn euer wichtigster Marketing-Kanal geworden?

Ja

Trackt ihr noch die SEO-Performance der alten Pottburri-Website?

Nein

Würdet ihr wieder einen eigenen Online-Shop aufbauen?

Ja, wenn der Markt das hergibt!

POTTBURRI: Nachhaltigkeit trifft Unternehmergeist

Antonia Cox hat mit Offenheit und Klarheit gezeigt, wie stark der Wille zur Veränderung in einem Familien-Startup wirken kann. Ob mit dem biologisch abbaubaren Pflanztopf oder der Agenturgründung – ihre Geschichte steht für den Mut, alte Wege zu verlassen und neue zu schaffen.

Wir bedanken uns herzlich bei Antonia Cox für das ehrliche und inspirierende Gespräch. Ihre Antworten zeigen, wie wichtig es ist, mit Fokus, Herzblut und Weitblick zu gründen – und immer bereit zu sein, neu zu denken.

Gründer von POTTBURRI und Pottlike Media Antonia Cox und Alexander Cox
Gründer von POTTBURRI und Pottlike Media Antonia Cox und Alexander Cox

KONTAKT:

www.pottburri.de/

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