Protein Revolution: Wie ein Start-up Insektenprotein auf den Teller bringt
Im Rahmen unserer Gründerstories haben wir mit dem Team von Protein Revolution gesprochen. Sie erzählen, wie aus einer gemeinsamen Idee das „Amazon der Speiseinsekten“ wurde, welche Chancen sie für alternative Proteine sehen und warum Aufklärung und E-Commerce für sie zusammengehören.

Elevator-Pitch als Einleitung für das Interview
Bitte erkläre den Lesenden der AFS-Akademie etwas über euer StartUp. Wer bist du? Was tust du? Wer ist eure Zielgruppe? Was sind deine Ziele? Was zeichnet euer StartUp aus?
„Wir sind vier Online-Marketer mit ganz unterschiedlichen Spezialisierungen – von SEO über Ads bis hin zu Social Media. Kennengelernt haben wir uns alle in derselben Agentur, wo wir schnell gemerkt haben: Wir wollen gemeinsam etwas Eigenes aufbauen.
Unser StartUp nennen wir gern „das Amazon der Speiseinsekten“. Im Kern sind wir eine Plattform, auf der Menschen Produkte auf Insektenbasis von verschiedensten Herstellern finden und direkt kaufen können. Das heißt: Man muss nicht mehr fünf verschiedene Shops durchsuchen, sondern kann bei uns vergleichen, auswählen und alles in einer Bestellung bekommen – praktisch, günstig und gleichzeitig nachhaltiger, weil Versandwege und Emissionen reduziert werden.
Unsere Zielgruppe sind Menschen, die Wert auf gesunde und nachhaltige Ernährung legen – gerade, wenn es um die Proteinzufuhr geht. Unser Ziel ist es, Entomophagie, also das Essen von Insekten, bekannter und vor allem schmackhaft zu machen. Langfristig wollen wir die erste Adresse in Deutschland für Insektenprotein werden.
Was uns besonders macht: Wir sind wahrscheinlich aktuell die Einzigen im deutschsprachigen Raum, die Produkte verschiedener Anbieter bündeln. Das macht uns nicht nur zum bequemen Marktplatz, sondern zeigt auch, wie vielseitig Insektenprotein sein kann.“
Hauptfragen zum Unternehmen & der Gründung
In den folgenden Fragen werfen wir einen detaillierten Blick auf die Gründungsgeschichte, die Entwicklung des Startups und die strategischen Entscheidungen dahinter.
Die Gründer berichten dabei offen über Herausforderungen, Erkenntnisse und Meilensteine ihres unternehmerischen Weges.
Vom Agenturteam zum Start-up: So entstand Protein Revolution
Ihr seid ein vierköpfiges Gründerteam aus den Bereichen Web-Development, Onlinemarketing und Grafik. Wie kam diese interdisziplinäre Kombination zustande und wie habt ihr euch als Team gefunden?
„Wir haben uns tatsächlich alle in einer Online-Marketing-Agentur kennengelernt – dort haben wir schnell gemerkt, dass wir gut miteinander auskommen und uns fachlich ergänzen. Die eigentliche Initialzündung kam dann durch einen Zufall: Ich sollte für einen Kunden eine passende Domain recherchieren und habe dazu Christoph angerufen, weil er in dem Bereich viel Erfahrung hat. Aus diesem Gespräch entstand die Idee, gemeinsam in spannende Zukunftsthemen zu investieren – zunächst dachten wir an Kulturfleisch, weil ich kurz zuvor einen Vortrag von Richard David Precht dazu gehört hatte.
Bei unseren Recherchen sind wir mit deutschen StartUps aus diesem Bereich ins Gespräch gekommen. Einer der Mitarbeiter meinte allerdings, dass es in Deutschland noch lange dauern würde, bis Kulturfleisch überhaupt verkauft werden darf – empfahl uns aber, uns mit Speiseinsekten zu beschäftigen, weil es hier bereits Zulassungen gab. Das war der Startschuss für Protein Revolution.
Christoph und ich sind beide als CEOs eingestiegen – er mit technischem Hintergrund, ich mit redaktionellem. Uns war schnell klar, dass wir weitere Kompetenzen brauchen würden. Also kam Lisa für den Bereich Google Ads dazu und Vanessa für alles rund um Grafik und Design. Heute sind wir damit ein Team, das praktisch alle wichtigen Disziplinen abdeckt: Christoph hat den gesamten Shop gebaut, ich den Content geschrieben, Lisa die Ads-Kampagnen aufgesetzt – und Vanessa hat das Ganze schließlich richtig zum Strahlen gebracht.
Genau diese Mischung aus Technik, Marketing, Content und Design macht uns stark. Jeder von uns kann Dinge, die die anderen drei nicht beziehungsweise nicht so gut könnten – und das sorgt dafür, dass wir als Team sehr rund laufen.“
Unsere Motivation: Nachhaltigkeit, Gesundheit und eine bessere Zukunft
Die Gründungsidee entstand aus dem Wunsch heraus, "die Welt ein Stück besser zu machen". Welche persönlichen Motivationen - von Tierschutz über Umweltschutz bis hin zur Wasserknappheit - haben euch zur Protein Revolution geführt?
„Jeder von uns ist mit einer eigenen Motivation bei Protein Revolution dabei. Für Lisa und Vanessa steht ganz klar das Thema Massentierhaltung und Tierleid im Vordergrund – die beiden wollen zeigen, dass es nachhaltige Alternativen gibt, ohne Tiere leiden zu lassen. Christoph treibt vor allem der Gedanke an Klimaschutz und Ressourcenschonung an: weniger CO₂-Ausstoß, weniger Wasserverbrauch, weniger Flächenbedarf.
Bei mir selbst geht es stark um die gesundheitliche Komponente. Ich bin ein Fitnessmensch – manche würden auch Pumper sagen – und finde es beeindruckend, dass Grillenmehl auf einen Eiweißgehalt von rund 60 % kommt. Das macht Insektenprotein für mich zu einer echten Alternative zu klassischen Proteinquellen. Einen konkreten Schlüsselmoment hatte ich zwar nicht, aber als ich erstmals vom Kulturfleisch gehört habe, war ich sofort fasziniert von den Vorteilen. Und da Insekten viele dieser Benefits ebenfalls mitbringen – nur eben schon jetzt – war für mich klar: Das ist ein Thema mit Zukunft.
Ein gemeinsamer Nenner, der uns alle verbindet: Wir haben Kinder. Und damit auch die Motivation, ihnen eine Welt zu hinterlassen, die gesund und lebenswert ist. Genau daran wollen wir mit Protein Revolution ein Stück weit mitarbeiten.“
Aufklärung und Sichtbarkeit für alternative Proteine
Alternative Proteine sind im deutschsprachigen Raum noch nicht sehr bekannt. Wie wollt ihr als Online-Shop und Ratgeber-Plattform dazu beitragen, diese Wissenslücke zu schließen?
„Alternative Proteine sind für viele Menschen im deutschsprachigen Raum noch Neuland – und genau da wollen wir ansetzen. Unser Ansatz ist zweigleisig: Zum einen sind wir natürlich ein Online-Shop, der Produkte verschiedener Hersteller bündelt und dadurch überhaupt erst einmal die Sichtbarkeit schafft. Aber unsere eigentliche Mission geht darüber hinaus: Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten und die Wissenslücke schließen.
Da wir alle aus dem Online-Marketing kommen, setzen wir stark auf SEO und SEA. Unsere Devise lautet: Wenn jemand nach Informationen zu Speiseinsekten sucht, dann müssen wir die erste Adresse sein, die Antworten liefert. Deshalb investieren wir viel in Ratgeber-Artikel, FAQs und erste Rezeptideen. Wichtig ist uns, die Menschen nicht sofort mit dem „Wie koche ich damit?“ abzuholen, sondern zunächst zu erklären, warum Insekten überhaupt eine wertvolle Alternative sind. Erst wenn dieses Grundverständnis da ist, macht die zweite Ebene – also die praktische Anwendung – wirklich Sinn.
Darüber hinaus haben wir bereits mehrere Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, um die internationale Literatur zu Speiseinsekten auch hierzulande einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. Denn nur wer Zugang zu Wissen hat, kann am Ende auch gute Entscheidungen treffen.
Unsere Zielgruppe sind im Prinzip alle, die gesünder und nachhaltiger leben wollen. Besonders spannend sind Nachhaltigkeitsfans und perspektivisch auch die Fitness-Szene. Insektenprotein bringt mit seinen 60 % Eiweißgehalt genau die Werte mit, die Sportler schätzen. Aber wir wissen: Um die Pumper-Szene zu erreichen, braucht es Vorbilder – große Fitness-Influencer, die das Thema vorleben.
Am Ende geht es aber nicht nur um Marketingkanäle, sondern um Überzeugungsarbeit. Mein Lieblingsbeispiel: Wenn man sich anschaut, wie Schweine in der Massentierhaltung leben und welche Bedingungen dort herrschen, dann wirken Insekten plötzlich nicht mehr „eklig“, sondern wie eine viel sauberere, nachhaltigere und respektvollere Alternative. Genau diesen Perspektivwechsel wollen wir anstoßen.“

Händler mit Bildungsauftrag: E-Commerce trifft Aufklärung
Euer Geschäftsmodell kombiniert E-Commerce mit Aufklärungsarbeit. Seht ihr euch primär als Händler oder als Bildungsplattform für alternative Proteine?
„Wir sehen uns ganz klar als Händler mit Bildungsauftrag. Beides hängt für uns untrennbar zusammen und zahlt aufeinander ein. Die Aufklärungsarbeit – also Ratgeber, FAQs, Rezepte und all das – hilft unserem Shop zu wachsen und uns als Thought Leader im Bereich alternative Proteine zu positionieren. Und ein funktionierender Shop wiederum verstärkt diese Wahrnehmung, weil er zeigt: Das ist nicht nur Theorie, sondern funktioniert auch in der Praxis.
Was man aber mit Blick auf die Zahlen ehrlich sagen muss: Aufklärungsarbeit funktioniert oft besser als reines Händlertum. Menschen wollen verstehen, warum Insektenprotein eine gute Alternative ist, bevor sie etwas kaufen. Genau da setzen wir an – informieren, erklären und erst dann verkaufen.“
Strenge Auswahlkriterien für hochwertige alternative Proteine
Von Insektenprotein über Mikroalgen bis hin zu kultiviertem Fleisch - ihr deckt das gesamte Spektrum alternativer Proteine ab. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Produkte für euren Shop aus?
„Bei der Produktauswahl sind wir ziemlich streng. Wir achten auf Zulassung, Lebensmittelsicherheit und Herkunft – unsere Produkte stammen fast ausschließlich aus Deutschland, generell aber nur aus der EU und aus der Schweiz. Eine Bio-Zertifizierung wäre schön, ist in diesem Bereich aber noch die absolute Ausnahme. Viele Hersteller verzichten darauf, weil es teuer ist und weil der Benchmark nach wie vor Fleisch ist – und nachhaltiger als Fleisch sind eigentlich alle Produkte, die wir im Sortiment haben.
Uns ist wichtig, die Hersteller auch persönlich kennenzulernen. Wir führen Gespräche, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie seriös, transparent und zuverlässig sie sind. Ein Thema, das wir dabei immer wieder sehen: Lieferfähigkeit. Die Nachfrage ist da, aber die Branche tut sich noch schwer mit der Skalierung. Deshalb testen wir jedes Produkt selbst und nehmen nur das auf, was uns auch wirklich überzeugt.
Unser Anspruch ist: So viel Vielfalt wie möglich, aber immer kuratiert – also lieber die besten Produkte, statt einfach alles. Und unsere Vision geht noch weiter: Alles, was zu einer gesünderen und nachhaltigeren Ernährung beiträgt, passt zu uns. Das heißt, sobald kultiviertes Fleisch zugelassen ist, wollen wir auch da ganz vorne mit dabei sein.“
Vertrauen aufbauen für die Proteinprodukte der Zukunft
Kultiviertes Fleisch ist in der EU noch nicht zugelassen, aber ihr bereitet euch bereits darauf vor. Wie baut ihr Vertrauen für Produkte auf, die noch gar nicht verfügbar sind?
„Kultiviertes Fleisch ist in der EU zwar noch nicht zugelassen, aber wir beschäftigen uns schon jetzt intensiv mit dem Thema. Dafür haben wir sogar eine eigene Domain ins Rennen geschickt, auf der wir Ratgeberinhalte veröffentlichen – immer mit massivem Fokus auf wissenschaftliche Quellen und möglichst neutrale Informationen. Denn wir wissen: Vertrauen entsteht nur dann, wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie ehrlich und fundiert aufgeklärt werden.
Unsere Position ist dabei ganz klar die eines Early Adopters. Wir sind überzeugt, dass kultiviertes Fleisch langfristig ein wesentlich größerer Pfeiler werden wird als Insektenprotein – einfach, weil es dem gewohnten Produkt viel näherkommt. Menschen sind Gewohnheitstiere, sie wollen etwas, das so aussieht und schmeckt wie das, was sie kennen. Deswegen sind pflanzliche Alternativen wie Beyond Meat bisher auch erfolgreicher als Insektenprotein.
Wir gehen also früh in die Aufklärungsarbeit, bauen Vertrauen über Inhalte auf und arbeiten auch mit externen Experten zusammen. Gemeinsam mit einer Journalistin haben wir sogar schon an einem Buch zum Thema kultiviertes Fleisch mitgewirkt – die inhaltliche Arbeit lag bei ihr, aber die Idee und viele Impulse kamen von uns. Das zeigt: Wir meinen es ernst und wollen von Anfang an eine Anlaufstelle sein, wenn kultiviertes Fleisch auch in Europa Realität wird.“
Nachhaltigkeit leben: Unser Anspruch als Vorbildunternehmen
Nachhaltigkeit zieht sich durch euer gesamtes Unternehmen - von nachhaltigem Banking bis zu ressourcenschonender Programmierung. Wie wichtig ist es euch, als Unternehmen selbst ein Vorbild zu sein?
„Uns ist Nachhaltigkeit extrem wichtig – allein schon, weil sie einer der zentralen USPs unserer Produkte ist. Und ganz ehrlich: Wie könnten wir glaubwürdig für Nachhaltigkeit werben, wenn wir sie selbst nicht leben würden? Deshalb achten wir nicht nur bei unserem Sortiment, sondern auch intern auf konsequent nachhaltige Entscheidungen – von Banking bis hin zur ressourcenschonenden Programmierung.
Natürlich wäre es schön, wenn wir damit auch andere Unternehmen inspirieren könnten. Aber in erster Linie geht es uns darum, authentisch zu bleiben und das, was wir nach außen kommunizieren, auch im Inneren zu leben.“

Chancen und Trends im wachsenden Markt für alternative Proteine
Der Markt für alternative Proteine wächst rasant. Welche Entwicklungen in der Branche beobachtet ihr am aufmerksamsten und wo seht ihr die größten Chancen?
„Da wir gerade erst an einem Buch über kultiviertes Fleisch mitgearbeitet haben, sind wir in diesem Bereich natürlich besonders nah dran. Was wir dabei deutlich sehen: Die Politik ist aktuell eines der größten Hemmnisse. Milliarden fließen nach wie vor in klimaschädliche Subventionen – Gelder, die man stattdessen auch in die Förderung alternativer Proteine investieren könnte.
Wenn man sich die drei großen Player anschaut – Insekten, Mikroalgen und kultiviertes Fleisch – sehen wir die größten Chancen klar beim kultivierten Fleisch. Einfach weil es dem vertrauten Produkt am nächsten kommt. Geschmacklich und optisch sind die Unterschiede geringer, und Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere. Je weniger Umstellung, desto größer die Akzeptanz.
Kurzfristig wird sich der Markt über viele kleine Schritte entwickeln – von neuen Snacks über Sporternährung bis hin zu ersten Nischenprodukten. Langfristig wird aber kultiviertes Fleisch den großen Durchbruch haben, sobald die Produktionskosten so weit sinken, dass es preislich mit herkömmlichem Fleisch mithalten kann. Für uns sind vor allem zwei Bereiche spannend: Sporternährung – weil hier besonders viel Protein konsumiert wird – und die beiden Proteinquellen, in denen wir selbst am meisten Expertise haben: Insekten und kultiviertes Fleisch. Beide sind nicht nur hoch bioverfügbar, sondern auch aus qualitativer Sicht echte Alternativen zu herkömmlichen tierischen Proteinen.“
Vorurteile abbauen: Den Ekelfaktor überwinden
Wie geht ihr mit den typischen Vorurteilen und dem "Ekelfaktor" um, den viele Menschen noch bei Insektenprotein oder kultiviertem Fleisch haben?
„Die Vorurteile müssen wir gar nicht aktiv ansprechen – die kommen von ganz allein. Der „Ekelfaktor“ ist in Wahrheit vor allem eine Gewohnheitssache. In Asien gehören Insekten ganz selbstverständlich zur Ernährung, und da kräht kein Hahn danach. Bei uns sorgt es noch für Stirnrunzeln – ähnlich wie bei mir persönlich mit Weinbergschnecken: Ich finde die ehrlich gesagt ziemlich eklig, während andere sie völlig selbstverständlich essen.
Wenn wir mit Menschen sprechen, arbeiten wir gerne mit Vergleichen. Mein Lieblingsbeispiel: Wer einmal gesehen hat, wie Schweine in der Massentierhaltung leben, der sieht Insekten plötzlich in einem ganz anderen Licht – sauber, effizient und ressourcenschonend.
Dazu kommen natürlich die harten Fakten: Nachhaltigkeit, Proteingehalt, Gesundheit. Und wir wissen aus Erfahrung, dass verarbeitete Produkte wie Mehle, Riegel oder Burger deutlich besser angenommen werden als ganze Tiere – die landen eher zu Halloween auf dem Tisch als im Alltag.
Ob wir das Thema ernst und sachlich angehen oder mit einer Prise Humor, hängt immer vom Gegenüber ab. Aber eins ist klar: Je mehr Menschen Insektenprotein im Alltag begegnet, desto schneller verschwindet der Ekelfaktor.“
Ausblick: Die Zukunft von Protein Revolution
Wo seht ihr Protein Revolution in fünf Jahren? Plant ihr eine internationale Expansion oder fokussiert ihr euch zunächst auf den deutschsprachigen Raum?
„Wo wir in fünf Jahren stehen, hängt stark von der Akzeptanz der Verbraucher ab. Am Ende entscheidet die Nachfrage darüber, ob Händler weitermachen können, ob die Branche skalieren und dadurch auch die Preise sinken können – was wiederum mehr Nachfrage erzeugen würde.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen die größte Plattform für alternative Proteine im deutschsprachigen Raum werden. Unter Online-Marketing-Gesichtspunkten fehlt uns dazu aktuell gar nicht mehr so viel, und die Konkurrenz ist noch überschaubar. Wenn wir diese Marktführerschaft im DACH-Raum erreichen, wären wir mehr als zufrieden.
Ein Traum wäre es natürlich, wenn uns das Gleiche auch mit kultiviertem Fleisch gelingt, sobald die ersten Zulassungen da sind. Das wird ungleich schwieriger – aber genau daran wollen wir arbeiten.“
Fragen zu SEO/Online Marketing & Tools
Digitale Strategie: Aufklärung zuerst, Verkauf danach
Als Team mit Expertise in Onlinemarketing habt ihr sicherlich von Anfang an digital gedacht. Welche Online-Marketing-Strategie verfolgt ihr für ein so aufklärungs- und erklärungsbedürftiges Thema wie alternative Proteine?
„Unsere wichtigsten Kanäle sind SEO und SEA – einfach, weil wir dort die größte Expertise haben. Gerade bei einem erklärungsbedürftigen Thema wie alternativen Proteinen funktioniert klassisches „Push-Marketing“ nur bedingt. Wir setzen deshalb stark auf Pull-Kanäle: Wer Fragen hat, soll uns finden.
Unsere SEO-Strategie ist deshalb extrem contentlastig. Ratgeberartikel und FAQs sind für uns das A und O, weil sie genau da ansetzen, wo die meisten Menschen noch ganz am Anfang stehen: „Was sind Speiseinsekten?“, „Warum sollte ich sie essen?“ oder „Wie gesund ist das eigentlich?“. Wir beantworten solche Fragen so laienverständlich wie möglich – und zwar ehrlich, transparent und ohne Marketing-Blabla.
Unsere Funnel-Logik ist klar: Erst aufklären, dann verkaufen. Wir holen die Leute über Inhalte ab, schaffen Vertrauen – und zeigen dann im nächsten Schritt: Hey, übrigens, wir verkaufen das Zeug auch. Visuelle Inhalte wären spannend, aber aktuell fehlt uns schlicht die Zeit – wir machen Protein Revolution ja nebenher.“
Content Marketing: Aufklärung trifft Sichtbarkeit
Euer Ratgeber-Bereich scheint eine zentrale Rolle zu spielen. Wie nutzt ihr Content Marketing, um Menschen von den Vorteilen alternativer Proteine zu überzeugen und gleichzeitig bei Google gut gefunden zu werden?
„Ja, unser Ratgeberbereich ist das zentrale Element. Er erfüllt für uns gleich zwei Aufgaben: Einerseits sorgt er für Sichtbarkeit bei Google, andererseits überzeugt er Menschen von den Vorteilen alternativer Proteine. Unsere Strategie ist dabei immer dieselbe: Wir wollen die bestmögliche Seite zu einem Thema im Netz anbieten.
Das zahlt sich aus – gerade in den Google-Rankings funktioniert das erstaunlich gut. Aber ehrlich gesagt: Alles andere wäre auch schlimm. Schließlich ist genau das unser Job. Haha.“

Zielgruppen erreichen: Mit Pull-Marketing auf Nischen setzen
Alternative Proteine sind ein sehr spitzes Thema. Wie schwierig ist es, die richtige Zielgruppe digital zu erreichen, und über welche Kanäle funktioniert das am besten?
„Weil die Zielgruppe so spitz ist, haben wir uns von Anfang an auf Pull-Kanäle fokussiert. Es ist extrem schwierig, die Menschen exakt zu targeten, die sich für alternative Proteine interessieren. Deshalb verfolgen wir die Strategie: Die Zielgruppe soll uns finden.
Umso wichtiger ist es, dass wir für sämtliche Fragen rund um Insektenprotein sichtbar sind – und nicht nur sichtbar, sondern auch die bestmögliche Antwort liefern. Genau deshalb haben wir selbst absolute Nischenthemen innerhalb des Kosmos „Insekten & Proteine“ in ausführliche Ratgeber verwandelt.
Am besten funktioniert das über SEO, wenn es um den informationellen Bereich geht. Und im transaktionalen Bereich spielt natürlich auch SEA eine zentrale Rolle.“
Produktpräsentation: Stärken zeigen statt nur hübsche Bilder
Social Media ist bei Food-Themen oft sehr visuell geprägt. Wie präsentiert ihr Produkte wie Insektenmehl oder Mikroalgen-Pulver so, dass sie appetitlich wirken?
„Bei einem so visuellen Thema wie Food verlassen wir uns stark auf die Hersteller. Viele investieren viel in ansprechende Verpackungen und Produktpräsentationen – der eine mehr, der andere weniger, haha.
Insgesamt spielt Social Media für uns aber eine eher untergeordnete Rolle. Einfach, weil Insektenmehl oder Mikroalgen-Pulver per se nicht zu den visuell attraktivsten Produkten gehören. Unser Schwerpunkt liegt deshalb ganz klar auf SEO und Content – dort können wir die Stärken dieser Produkte viel besser transportieren als über hübsche Bilder allein.“
Frühzeitig SEO-Relevanz für kultiviertes Fleisch aufbauen
Ihr bereitet euch auf den Launch von kultiviertem Fleisch vor, obwohl es noch nicht verfügbar ist. Wie baut ihr schon jetzt SEO-technisch Relevanz für diese Zukunftstechnologie auf?
„Auch beim Thema kultiviertes Fleisch setzen wir stark auf Content. Wir haben einen eigenen Ratgeberbereich aufgebaut und versuchen, bei wichtigen Entwicklungen der Branche mit Newsartikeln präsent zu sein. So schaffen wir schon jetzt SEO-Relevanz, obwohl die Produkte selbst noch nicht verfügbar sind. Außerdem haben wir gemeinsam mit einer befreundeten Journalistin ein Buch zum Thema kreiert – wobei ihr Anteil an der inhaltlichen Arbeit ehrlich gesagt um ein Vielfaches größer war als unserer. Aber die Idee und viele Impulse kamen von uns, und genau das zeigt: Wir nehmen das Thema ernst und wollen von Anfang an vorne mit dabei sein.“
Persönliche Fragen an die Gründer
Team-Motivation: Fachkompetenz trifft persönliche Leidenschaft
Jeder von euch bringt unterschiedliche Beweggründe mit - von Umweltschutz über Tierschutz bis zur Wasserknappheit. Wie wichtig war es für euch, dass das gesamte Team persönlich hinter der Mission steht?
„Ich glaube, dass bei uns am Anfang die fachliche Expertise eine größere Rolle gespielt hat als die persönliche Motivation. Natürlich schadet es nicht, wenn man für ein Thema brennt – aber am Ende kommt es darauf an, dass man sein Handwerk beherrscht. Wir alle haben in unserer Agenturzeit gelernt: Wenn du Marketing kannst, kannst du theoretisch sogar ein Thema erfolgreich vermarkten, das dir persönlich völlig egal ist. Der Unterschied bei Protein Revolution ist: Hier kommt beides zusammen. Wir haben die Skills, und gleichzeitig hat jeder von uns auch eigene Beweggründe, die Sache nach vorne zu bringen. Das macht die Sache natürlich noch stärker.“
Authentizität leben: Realistische Umsetzung im Alltag
Habt ihr als Team selbst komplett auf alternative Proteine umgestellt, oder seid ihr noch in der Umstellungsphase? Wie authentisch lebt ihr eure Mission?
„Ganz ehrlich: Eine komplette Umstellung ist für uns – wie für die meisten Menschen – vor allem eine Frage der Finanzen und der Lebensumstände. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, wäre es deutlich einfacher, alternative Proteine konsequent in den Alltag zu integrieren. Noch leichter wäre es, wenn man sich einen Koch leisten könnte, der ausschließlich mit Insektenprotein arbeitet.
Aber wir sind Berufstätige, haben Familie und ein Budget, das nicht unbegrenzt ist. Da ist es fast unmöglich, alles perfekt umzusetzen. Deswegen machen wir auch dem Verbraucher keinen Vorwurf – wir leben in stressigen Zeiten, und manche Dinge fallen hinten runter, auch wenn es gerade beim Thema gesunde und nachhaltige Ernährung eigentlich nicht so sein sollte. Wir versuchen also, das so gut wie möglich in unseren Alltag zu integrieren, aber in Perfektion leben wir das vermutlich alle nicht. Und vielleicht macht uns genau das auch authentisch: Wir wissen, wie herausfordernd es ist – und können die Realität unserer Zielgruppe dadurch sehr gut nachvollziehen.“

Der Weg der Aufklärung: Leidenschaft statt Profit
Als Onlinemarketing-Experten hättet ihr sicherlich auch in anderen, profitableren Branchen gründen können. Was hat euch dazu bewegt, den schwereren Weg der Aufklärungsarbeit zu wählen?
„Einfach kann ja jeder, haha. Nein, im Ernst: Dass wir im Bereich alternativer Proteine gelandet sind, war am Ende eine Kette von Zufällen. Besonders Christoph hat sich schon immer stark mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel auseinandergesetzt. Und wir beide haben uns gesagt: Wenn wir etwas Eigenes machen, dann etwas, das auch langfristig Sinn ergibt. Dass es genau die Welt der alternativen Proteine geworden ist, lag dann tatsächlich an einem Zufall nach dem anderen. Aber manchmal sind es eben genau diese Zufälle, die zu den spannendsten Projekten führen.“
Pionierarbeit mit Motivation: Chancen nutzen trotz Unsicherheit
Startup-Gründung in einem noch unreifen Markt bedeutet oft Pionierarbeit ohne Garantie auf Erfolg. Wie geht ihr mit der Unsicherheit um und was motiviert euch langfristig?
„Wir alle machen Protein Revolution nebenbei – und das nimmt zum Glück den größten Druck raus. Finanziell sind wir nicht auf den Erfolg angewiesen. Aus Ego-Sicht vielleicht schon ein Stück weit, lacht. Langfristig motiviert uns eine Mischung aus zwei Dingen: Zum einen natürlich die Aussicht, dass sich das Projekt auch wirtschaftlich lohnt. Zum anderen – und das ist fast noch wichtiger – die Chance, wirklich etwas zu bewegen. Wenn wir am Ende dazu beitragen können, dass alternative Proteine ein Stück normaler werden und mehr Menschen sie ausprobieren, dann hat sich die Mühe gelohnt.“
Ratschläge für Gründer: Mut, Ausdauer und Realismus
Welchen Rat würdet ihr anderen Gründern geben, die ein Mission-driven Startup in einem Nischenmarkt aufbauen wollen?
„Finger weg von Insekten und kultiviertem Fleisch – das machen wir schon. Scherz. Im Ernst: Einen allgemeingültigen Rat zu geben, ist gar nicht so leicht. Was wir aber definitiv gelernt haben, ist: Man darf den Mut nicht verlieren, sollte nie alles auf eine Karte setzen – und man braucht unbedingt einen langen Atem. Gerade in einem Nischenmarkt dauert es, bis Themen bei den Menschen ankommen. Wer das weiß und trotzdem dranbleibt, hat die besten Chancen.“
Schnellfragen (Ja/Nein-Antworten) zur Gründerpersönlichkeit
Esst ihr alle selbst regelmäßig Insekten?
Der eine mehr, der andere weniger.
Würdet ihr kultiviertes Fleisch sofort probieren, wenn es verfügbar wäre?
Ja!
Bereut ihr manchmal, dass ihr einen so aufklärungs-intensiven Markt gewählt habt?
Nein. Mit unserem Skillset ist das genau das Richtige.
Würdet ihr wieder ein so Mission-getriebenes Startup gründen?
Ja
Schnellfragen (Ja/Nein-Antworten) zum Online Marketing und SEO
Nutzt ihr KI-Tools für eure Content-Erstellung im Ratgeber-Bereich?
Ja. Zur Recherche.
Ist Influencer Marketing für euch ein wichtiger Kanal?
Nein. Könnte es aber durchaus Sinn. Stichwort Fitnessszene.
Investiert ihr aktiv in Google Ads für alternative Protein-Keywords?
Ja
Trackt ihr die Conversion Rate von Aufklärungs-Content zu Käufen?
Nein
Glaubt ihr, dass SEO bei Nischenprodukten wichtiger ist als bei Mainstream-Produkten?
Nein
Protein Revolution – Pionierarbeit für alternative Proteine
Das Team hat uns einen inspirierenden Einblick in seine Vision und Arbeit gegeben – von den ersten Ideen in einer Marketing-Agentur bis hin zum Aufbau einer Plattform für Insektenprotein. Wir bedanken uns herzlich bei den Gründer:innen für ihre Offenheit und das spannende Gespräch. Ihre Geschichte zeigt, wie Mut und Expertise ein nachhaltiges Zukunftsthema voranbringen können.

Co-Gründer von Protein Revolution die sich unseren Fragen gestellt haben. Bastian Huber und Christoph Werner.
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