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Selbstführung statt Selbstoptimierung – warum Klarheit zur wichtigsten Führungskompetenz wird

Viele Führungskräfte haben perfekt gepflegte Kalender und trotzdem das Gefühl, den wirklich wichtigen Dingen nicht näherzukommen. Das Problem ist selten mangelnde Effizienz, sondern fehlende Klarheit darüber, was wirklich zählt, und warum Selbstführung genau dort beginnt, zeigt dieser Artikel.

Selbstführung statt Selbstoptimierung – warum Klarheit zur wichtigsten Führungskompetenz wird
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Hauptthema des Artikels: Selbstführung als zentrale Führungskompetenz in einer komplexen Arbeitswelt, in der nicht Zeitmangel, sondern fehlende Klarheit das eigentliche Problem ist.

Wichtige Punkte:

  • Selbstführung ersetzt Selbstoptimierung: Mehr Effizienz, Tools oder Zeitmanagement lösen das Kernproblem nicht, wenn unklar bleibt, was wirklich wichtig ist.
  • Das Hauptproblem ist fehlende Klarheit: Viele Führungskräfte sind stark ausgelastet, aber unsicher über Richtung, Prioritäten und Sinn ihrer Aufgaben.
  • Selbstführung beginnt mit drei Klarheiten: Klarheit über eigene Werte, Klarheit über Prioritäten und Ziele sowie Klarheit über die gewünschte Wirkung auf andere.
  • Reflexion statt Reaktion: Orientierung entsteht nicht durch mehr Aktivität, sondern durch bewusste Pausen, Selbstreflexion und regelmäßige Standortbestimmung.
  • Wirkung entscheidet über Führung: Entscheidend ist nicht nur, was getan wird, sondern welche Wirkung und Haltung eine Führungskraft im Alltag hinterlässt.

Fazit: Selbstführung basiert auf Klarheit über Werte, Prioritäten und Wirkung und schafft damit Orientierung und wirksame Entscheidungen in einer komplexen Arbeitswelt.

Wir haben kein Produktivitätsproblem, sondern ein Klarheitsproblem 

Als der Zug in Frankfurt einrollte, bemerkte Thomas erst, wie dunkel es draußen geworden war. Der Tag hatte früh begonnen. Zwei Meetings, eine Präsentation vor dem Vorstand, mehrere Entscheidungen, die keinen Aufschub duldeten. Die Rückmeldungen waren positiv gewesen, die Zahlen stimmten und auch die nächsten Wochen schienen gut geplant. Vor ihm auf dem Tisch stand eine inzwischen kalte Tasse Kaffee, daneben der geöffnete Laptop. Neue E-Mails waren eingegangen. Einige davon würde er noch beantworten, bevor er nach Hause fuhr. 

Eigentlich gab es keinen Grund zur Unzufriedenheit. Und doch blieb dieses merkwürdige Gefühl zurück, das sich in den vergangenen Monaten immer häufiger bemerkbar machte. Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher wie ein feines Hintergrundrauschen. Die Frage, ob all die Energie noch in die richtigen Dinge floss. Die Frage, warum die Tage immer voller wurden und gleichzeitig etwas verloren zu gehen schien, das sich nur schwer benennen ließ. 

Zur selben Zeit saß Martina in ihrer Küche. Das Abendessen war längst beendet, die Familie im Wohnzimmer. Auf dem Tisch lag ihr Smartphone. Es blinkte auf, verstummte wieder und blinkte erneut. Eine Nachricht aus dem Team. Eine Rückfrage zu einem Projekt. Nichts Ungewöhnliches. 

Trotzdem blieb ihr Blick einen Moment länger auf dem Display hängen. Was sie irritierte, war nicht die Menge der Aufgaben. Es war das Gefühl, ständig in Bewegung zu sein und dennoch immer seltener innezuhalten. Probleme wurden gelöst, Entscheidungen getroffen, Projekte vorangetrieben. Aber wann hatte sie sich zuletzt gefragt, ob die Richtung noch stimmte?

Ein paar Hundert Kilometer weiter südlich saß Jonas auf seiner Terrasse. Vor ihm lag ein Notizbuch voller Ideen. Manche waren neu, andere begleiteten ihn schon seit Jahren. Viele davon waren gut. Vielleicht zu gut. Je länger er auf die Seiten blickte, desto schwerer fiel es ihm zu entscheiden, was wirklich wichtig war. Nicht weil Möglichkeiten fehlten, sondern weil es zu viele davon gab. Jede neue Chance eröffnete einen weiteren Weg. Und mit jedem neuen Weg wurde die Orientierung ein wenig schwieriger. Manchmal fragte er sich, wann aus Freiheit Überforderung geworden war. Alles schien möglich – und genau das machte Entscheidungen so schwer. 

Die Geschichten von Thomas, Martina und Jonas unterscheiden sich. Was sie verbindet, ist weniger offensichtlich. Keiner von ihnen leidet unter mangelnder Leistungsbereitschaft. Keiner von ihnen scheitert an fehlender Disziplin. Und keiner von ihnen braucht in erster Linie eine weitere App zur Produktivitätssteigerung oder einen zusätzlichen Workshop zum Zeitmanagement. 

Was ihnen fehlt, ist etwas anderes: Klarheit. Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist. Klarheit darüber, wofür sie ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit und ihre Energie einsetzen möchten. Und Klarheit darüber, welche Wirkung sie mit ihrem Handeln entfalten wollen. 

Genau hier beginnt Selbstführung: nicht bei der Frage, wie noch mehr Aufgaben in einen ohnehin vollen Tag passen. Nicht bei der Suche nach der nächsten Methode, dem nächsten Tool oder der nächsten Optimierungsstrategie. Sondern bei der Fähigkeit, innezuhalten und sich immer wieder neu auszurichten. Wer sich selbst führen will, braucht Orientierung. Und Orientierung entsteht dort, wo Klarheit entsteht. Doch Klarheit beginnt nicht bei den Aufgaben. Sie beginnt bei uns selbst. 

Warum Selbstoptimierung oft nicht zur Lösung wird 

Vielleicht liegt genau hier einer der größten Irrtümer unserer Zeit. Sobald Führungskräfte das Gefühl haben, den Überblick zu verlieren, suchen sie nach mehr Struktur. Wenn Termine sich verdichten, werden neue Planungssysteme eingeführt. Wenn die Belastung steigt, entstehen neue Routinen. Und wenn das Gefühl entsteht, dass die Zeit nicht mehr ausreicht, richtet sich der Blick fast automatisch auf Zeitmanagement.

Dahinter steckt eine verständliche Annahme: Wer mehr Zeit hat, wird gelassener. Wer effizienter arbeitet, gewinnt Freiraum. Wer seine Aufgaben besser organisiert, findet zurück zu Ruhe und Zufriedenheit. 

In der Praxis zeigt sich jedoch häufig etwas anderes. Es gibt Führungskräfte mit perfekt gepflegten Kalendern, die dennoch unter permanenter Anspannung stehen. Menschen in Verantwortung, die ihre Aufgaben hervorragend organisieren und trotzdem das Gefühl haben, den wirklich wichtigen Dingen nicht näherzukommen. Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, die jede Produktivitätsmethode kennen und sich dennoch fragen, warum sie trotz aller Effizienz innerlich rastlos bleiben. 

Der Grund liegt darin, dass Zeit allein selten das eigentliche Problem ist. Mehr Zeit beantwortet nicht automatisch die Frage, wofür sie genutzt werden soll. Mehr Effizienz beantwortet nicht die Frage, was wirklich Priorität hat. Und mehr Produktivität schafft noch keine Klarheit darüber, welche Richtung eingeschlagen werden soll. 

Genau deshalb greifen viele klassische Optimierungsansätze zu kurz. Sie konzentrieren sich auf das „Wie“, obwohl die eigentliche Herausforderung häufig im „Warum“ liegt. Sie helfen dabei, schneller voranzukommen, beantworten jedoch nicht, ob man überhaupt auf dem richtigen Weg unterwegs ist. 

Zwei Antworten auf dasselbe Problem': Gegenüberstellung von reiner Selbstoptimierung (Das Wie: Effizienz, Routinen) und strategischer Selbstführung (Das Warum: Werte, Ausrichtung, Prioritäten).
Grafik: Selbstoptimierung beantwortet „Wie mache ich es besser?“ – Selbstführung fragt „Wofür mache ich es überhaupt?“ Wer nur Kalender optimiert und Routinen einführt, löst nicht das eigentliche Problem: fehlende Klarheit über Werte und Richtung. Mehr Effizienz beantwortet nicht die Frage, was wirklich Priorität hat. Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Selbstführung beginnt deshalb an einer anderen Stelle. Sie fragt nicht zuerst, wie etwas effizienter erledigt werden kann, sondern welche Bedeutung es hat. Sie richtet den Blick auf Orientierung, Werte und bewusste Entscheidungen. Denn erst wenn Klarheit darüber besteht, was wirklich zählt, entfalten Methoden, Routinen und Werkzeuge ihre eigentliche Wirkung. 

Was Selbstführung wirklich bedeutet 

Der Begriff Selbstführung begegnet uns heute an vielen Stellen. In Büchern, Seminaren, Podcasts oder auf LinkedIn. Oft wird darunter verstanden, sich selbst gut zu organisieren, Prioritäten zu setzen oder die eigene Zeit effektiv zu nutzen. All das kann hilfreich sein. Doch es greift zu kurz. 

Selbstführung beginnt nicht im Kalender. Sie beginnt auch nicht auf einer To-do-Liste. Selbstführung beginnt in der Beziehung zu sich selbst. Wer sich selbst führen möchte braucht die Fähigkeit, innezuhalten und immer wieder einen Schritt zurückzutreten. Gerade in einer Welt, die immer schneller wird, entsteht Orientierung selten durch mehr Aktivität. Orientierung entsteht durch bewusste Reflexion. 

Viele Führungskräfte verbringen einen Großteil ihres Tages damit, auf Anforderungen zu reagieren. E-Mails werden beantwortet, Entscheidungen getroffen, Probleme gelöst und Erwartungen erfüllt. Dabei bleibt oft wenig Raum für eine andere, wesentlichere Frage: Bin ich eigentlich noch auf dem Weg, den ich bewusst gewählt habe? 

Selbstführung ist keine Methode. Sie ist eine Haltung. 

Selbstführung entsteht auf drei Ebenen der Klarheit': Ein dreiteiliges Venn-Diagramm, das Selbstführung im Schnittpunkt von Klarheit über mich selbst, Klarheit über Prioritäten und Klarheit über Wirkung darstellt.
Grafik: Selbstführung entsteht aus drei sich ergänzenden Ebenen: Klarheit über sich selbst (Werte, Bedürfnisse, Energiegrenzen), Klarheit über Prioritäten (Wesentliches von Lautstärke trennen) und Klarheit über Wirkung (bewusst gestalten, welche Spuren man hinterlässt). Äußere Führung beginnt immer mit innerer Führung. Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Diese Haltung geht davon aus, dass äußere Führung immer mit innerer Führung beginnt. Wer andere Menschen inspirieren, orientieren oder durch Veränderungen begleiten möchte, braucht zunächst Klarheit über sich selbst. 

Aus meiner Sicht entsteht diese Klarheit auf drei Ebenen: 

– Klarheit über mich selbst und meine Werte 

– Klarheit über Prioritäten und Ziele 

– Klarheit über die Wirkung, die ich entfalten möchte 

Klarheit über mich selbst und meine Werte 

Vor einigen Jahren fragte ich eine Gruppe von Führungskräften, was ihnen in ihrem Leben wirklich wichtig sei. Die Antworten kamen schnell. Familie. Gesundheit. Vertrauen. Freiheit. Sinn. Als ich anschließend fragte, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit diese Themen in ihrem 

Alltag tatsächlich bekämen, wurde es still. Nicht, weil die Antworten fehlten, sondern weil plötzlich sichtbar wurde, wie groß die Lücke zwischen dem war, was Menschen wichtig ist, und dem, woran sie ihre Tage tatsächlich ausrichten. 

Genau hier beginnt die erste Ebene von Klarheit. Viele Führungskräfte kennen ihre Aufgaben besser als ihre Werte. Sie wissen, welche Projekte bis Freitag fertig sein müssen, welche Zahlen erwartet werden und welche Entscheidungen noch auf ihrem Schreibtisch liegen. Wesentlich schwerer fällt häufig die Antwort auf eine andere Frage: Was ist mir eigentlich wirklich wichtig? Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, entsteht ein merkwürdiger Zustand. Nach außen wirkt vieles erfolgreich und geordnet. Innerlich wächst jedoch das Gefühl, ständig unterwegs zu sein, ohne genau zu wissen, wohin die Reise eigentlich gehen soll. 

Zu dieser Klarheit gehört noch etwas anderes, das im Alltag vieler Menschen in Verantwortung erstaunlich selten geworden ist: die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Viele Führungskräfte wissen genau, was von ihnen erwartet wird. Doch wenn man sie fragt, was ihnen selbst in diesem Moment guttun würde, entsteht oft eine lange Pause. Zu dieser Form von Selbstfürsorge gehört die Fähigkeit, beantworten zu können, welche Aktivität, welche Tätigkeit oder welcher Ausgleich einem gerade guttun würde. 

Klarheit über sich selbst bedeutet deshalb nicht nur, die eigenen Werte zu kennen. Sie bedeutet auch, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, die eigenen Energiequellen zu verstehen und immer wieder zu erkennen, was man in einer bestimmten Situation gerade wirklich braucht. 

Klarheit über Prioritäten und Ziele 

Viele Führungskräfte kennen das Gefühl, am Ende eines Tages erschöpft auf die eigene Aufgabenliste zu blicken und festzustellen, dass nahezu alles erledigt wurde – und trotzdem etwas Wesentliches liegen geblieben ist. Die E-Mails wurden beantwortet, Entscheidungen getroffen, Probleme gelöst und Gespräche geführt. Von außen betrachtet war es ein produktiver Tag. Und dennoch bleibt manchmal das Gefühl zurück, den ganzen Tag beschäftigt gewesen zu sein, ohne dem Wesentlichen wirklich nähergekommen zu sein. 

Gerade Menschen mit Führungsverantwortung bewegen sich täglich in einem Spannungsfeld aus Erwartungen, Anforderungen und Prioritäten. Mitarbeitende benötigen Unterstützung, Kunden haben Anliegen, Projekte geraten unter Druck und gleichzeitig warten strategische Themen darauf, vorangetrieben zu werden. In dieser Dynamik entsteht leicht der Eindruck, dass die wichtigste Aufgabe immer diejenige ist, die gerade am lautesten nach Aufmerksamkeit verlangt. Doch Lautstärke und Wichtigkeit sind nicht dasselbe. 

Lautstärke ≠ Wichtigkeit': Zeitmanagement-Matrix nach Bedeutung und Dringlichkeit, die den Kontrast zwischen der Lautstärke-Zone (reaktiver Fokus) und der strategischen Zone (langfristige Ziele) zeigt.
Grafik: Eine Vier-Felder-Matrix zeigt, wo Zeit wirklich hinfließt: Die Lautstärke-Zone mit urgenten E-Mails und lauten Aufgaben zieht die meiste Aufmerksamkeit, obwohl die Strategische Zone mit langfristigen Zielen und eigener Entwicklung entscheidend wäre. Lautstärke und Wichtigkeit sind nicht dasselbe. Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Viele Geschäftsführerinnen, Führungskräfte und Teamleiter verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, auf Ereignisse zu reagieren. Das ist verständlich, denn Verantwortung bedeutet oft auch, für andere da zu sein. Gleichzeitig entsteht dadurch die Gefahr, dass die eigenen Prioritäten immer weiter in den Hintergrund geraten. Wer ständig auf äußere Anforderungen reagiert, verliert irgendwann den Blick dafür, was langfristig wirklich entscheidend ist. 

Aus diesem Grund beginnt Klarheit über Prioritäten nicht mit einer besseren Planung, sondern mit einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen. Welche Themen verdienen tatsächlich Aufmerksamkeit? Welche Aufgaben zahlen auf die langfristige Entwicklung des Teams, des Unternehmens oder der eigenen Rolle ein? Und welche Aktivitäten erzeugen vor allem das Gefühl von Geschäftigkeit, ohne einen echten Beitrag zu leisten? 

Führungskräfte, die diese Fragen regelmäßig für sich beantworten, erleben häufig eine interessante Veränderung. Die Zahl der Aufgaben wird nicht automatisch kleiner. Die Verantwortung verschwindet nicht. Doch Entscheidungen werden leichter, weil ein innerer Maßstab entsteht. Statt jede Anfrage gleich zu behandeln, wird deutlicher erkennbar, was wirklich Priorität hat. Aus einem vollen Kalender wird dadurch nicht automatisch ein leerer Kalender – aber ein bewussterer. 

Klarheit über Wirkung 

Viele Führungskräfte investieren viel Zeit in Ziele, Strategien und Ergebnisse. Sie beschäftigen sich mit Prozessen, Kennzahlen und Verantwortlichkeiten. Wesentlich seltener nehmen sie sich jedoch die Zeit, über die Wirkung nachzudenken, die sie auf andere Menschen haben möchten. 

Dabei prägt genau diese Wirkung den Führungsalltag oft stärker als jede Methode. Mitarbeitende erinnern sich selten an ein perfekt geführtes Reporting. Sie erinnern sich daran, wie sie sich in Gesprächen gefühlt haben. Sie erinnern sich daran, ob sie Vertrauen gespürt haben, ob sie Orientierung bekommen haben oder ob sie sich ernst genommen fühlten. 

Wer Klarheit über die eigene Wirkung gewinnen möchte, beginnt häufig mit einer ungewohnten Perspektive. Statt zu fragen: „Was muss ich tun?“, entsteht eine andere Frage: „Wofür möchte ich stehen?“ Manche Führungskräfte möchten als verlässlich wahrgenommen werden. Andere als mutig, inspirierend oder verbindend. Entscheidend ist nicht, welche Antwort entsteht. Entscheidend ist, dass diese Frage überhaupt gestellt wird.

Denn viele Führungskräfte verbringen Jahre damit, Ergebnisse zu gestalten, ohne bewusst darüber nachzudenken, welche Wirkung sie als Mensch und Führungspersönlichkeit hinterlassen möchten. 

Gerade in Zeiten hoher Belastung zeigt sich, wie wertvoll diese Form von Klarheit ist. Wer weiß, welche Wirkung er entfalten möchte, trifft Entscheidungen oft konsistenter. Konflikte werden leichter eingeordnet. Und auch schwierige Situationen verlieren einen Teil ihrer Komplexität, weil ein innerer Bezugspunkt vorhanden ist. 

Klarheit über Wirkung verbindet die ersten beiden Ebenen von Selbstführung. Werte geben Orientierung. Prioritäten schaffen Fokus. Die Frage nach der Wirkung verleiht beidem Richtung. Sie macht sichtbar, wofür die eigene Energie eingesetzt werden soll und welche Spuren das eigene Handeln hinterlassen möchte. 

Ikigai als Reflexionshilfe 

Ein Ansatz, den ich in der Arbeit mit Führungskräften gerne nutze, ist das aus Japan stammende Ikigai-Modell. Es lädt dazu ein, Fragen nach Stärken, Freude, Beitrag und Wirkung miteinander zu verbinden. Seine Stärke liegt nicht darin, fertige Antworten zu liefern, sondern dabei zu helfen, die richtigen Fragen zu stellen. Genau dadurch entsteht Raum für Reflexion – und oft auch für mehr Klarheit. 

Ikigai – Vier Fragen, die Richtung geben': Venn-Diagramm, das den persönlichen Sinn in den Schnittmengen aus Talent, Leidenschaft, Weltbedarf und Wirkung strukturiert.
Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Fazit: Klarheit schafft Orientierung 

Vielleicht werden Thomas, Martina und Jonas auch morgen wieder volle Kalender haben. Wahrscheinlich werden neue E-Mails eingehen, neue Entscheidungen anstehen und neue Herausforderungen auftauchen. Doch vielleicht gehen sie diesen Herausforderungen mit 

etwas mehr Klarheit entgegen als gestern. Nicht weil die Welt einfacher geworden ist, sondern weil sie ihren inneren Kompass besser kennen. 

Selbstführung bedeutet nicht, jede Antwort zu kennen. Selbstführung bedeutet auch nicht, immer die richtige Entscheidung zu treffen oder jederzeit vollkommen klar zu sein. Führungskräfte, Geschäftsführerinnen und Menschen in Verantwortung werden auch in Zukunft mit Unsicherheit, Konflikten und unerwarteten Herausforderungen konfrontiert sein. Probleme verschwinden nicht, nur weil jemand über mehr Klarheit verfügt.

Drei Fragen, die Klarheit schaffen': Dreistufiges Reflexionsmodell zur Selbstführung, unterteilt in Klarheit über eigene Werte, Prioritäten sowie die beabsichtigte Wirkung.
Grafikquelle: Afs-Akademie.org [Du kannst die Grafik unter Angabe der Quelle und einer Verlinkung zu uns verwenden.]

Der Unterschied liegt woanders. Wer Selbstführung entwickelt, lernt, mit diesen Situationen bewusster umzugehen. Herausforderungen werden nicht mehr ausschließlich als Belastung erlebt, sondern auch als Möglichkeit, zu lernen, zu wachsen und die eigene Haltung weiterzuentwickeln. Selbstführung bedeutet deshalb auch, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten und Schritt für Schritt Kompetenzen aufzubauen, die helfen, resilient auf Veränderungen, Druck und Unsicherheit zu reagieren. Nicht weil das Leben einfacher wird, sondern weil die eigene Fähigkeit wächst, mit dem Leben umzugehen. 

Vielleicht ist genau das die eigentliche Aufgabe von Selbstführung: nicht immer schneller zu werden, nicht immer mehr zu leisten und nicht jede Lücke im Kalender zu füllen. Sondern den Mut zu entwickeln, innezuhalten, die eigene Richtung zu überprüfen und bewusst zu entscheiden, wofür Zeit, Aufmerksamkeit und Energie eingesetzt werden sollen. 

Denn wirksame Selbstführung entsteht nicht dadurch, dass Probleme verschwinden oder der Alltag plötzlich leichter wird. Wirksame Selbstführung entsteht dort, wo Klarheit wächst – Klarheit über die eigenen Werte, Klarheit über Prioritäten und Klarheit über die Wirkung, die wir entfalten möchten. Wer diese Klarheit entwickelt, gewinnt Orientierung in einer komplexen Welt und schafft die Grundlage für eine Führung, die nicht aus Aktionismus, sondern aus bewussten Entscheidungen entsteht. 

Selbstführung beginnt nicht bei Methoden. Selbstführung beginnt mit Klarheit. Und Klarheit beginnt immer bei uns selbst.

FAQ

Was ist Selbstführung und warum beginnt sie nicht im Kalender?

Selbstführung ist keine Methode, sondern eine Haltung – sie beginnt in der Beziehung zu sich selbst und fragt nicht zuerst, wie etwas effizienter erledigt werden kann, sondern welche Bedeutung es hat und ob die eingeschlagene Richtung noch stimmt.

Warum löst Selbstoptimierung das eigentliche Problem von Führungskräften oft nicht?

Weil die meisten Führungskräfte kein Produktivitätsproblem haben, sondern ein Klarheitsproblem – mehr Effizienz beantwortet nicht, was wirklich Priorität hat, und ein perfekt gepflegter Kalender schafft keine innere Orientierung.

Auf welchen drei Ebenen entsteht Klarheit im Sinne von Selbstführung?

Klarheit über die eigenen Werte und Bedürfnisse, Klarheit über Prioritäten und Ziele und Klarheit über die Wirkung, die man als Führungspersönlichkeit hinterlassen möchte – erst wenn alle drei Ebenen bewusst sind, entfalten Methoden und Werkzeuge ihre eigentliche Wirkung.

Was unterscheidet Lautstärke von Wichtigkeit im Führungsalltag?

Führungskräfte reagieren oft auf das, was am lautesten nach Aufmerksamkeit verlangt – Selbstführung schafft einen inneren Maßstab, der unterscheidbar macht, welche Aufgaben tatsächlich auf langfristige Ziele einzahlen und welche nur das Gefühl von Geschäftigkeit erzeugen.

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